Direkt zum Inhaltsbereich

KHK und Prädiabetes

Acarbose senkt nicht das kardiale Risiko

In der ACE-Studie bremste Acarbose bei KHK-Patienten mit gestörter Glukosetoleranz zwar die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes. Das kardiovaskuläre Risiko wurde aber nicht gesenkt.

Veröffentlicht:

LISSABON. Postprandiale Blutzuckerspitzen lassen sich durch eine Therapie mit Acarbose zwar in den Griff bekommen. Kardiovaskuläre Spätfolgen verhindert eine solche Intervention aber offenbar nicht, wie die ACE-Studie gezeigt hat. Die Ergebnisse wurden jetzt auf dem EASD-Kongress in Lissabon vorgestellt und zeitgleich in "Lancet Diabetology & Endocrinology" publiziert (online 13. September).

Bereits in der STOP-NIDDM-Studie von 2002 hatte sich mit Acarbose bei Patienten mit Prädiabetes die Diabetes-Manifestation aufhalten oder verzögern lassen. Auch ging die Therapie mit einem niedrigeren kardiovaskulären Risiko einher. Allerdings war die Aussagekraft der Ergebnisse wegen der geringen Zahl der Ereignisse schwach. In der ACE-Studie wurde nun die präventive Wirkung von dreimal täglich 50 mg Acarbose in China geprüft. Die 6522 Teilnehmer hatten eine KHK und eine gestörte Glukosetoleranz. Ergebnis: Binnen fünf Jahren wurde in der Verumgruppe das Risiko für eine Diabetes-Manifestation im Vergleich zur Placebo-Gruppe um 18 Prozent gesenkt.

Allerdings hatte die Therapie keinen Einfluss auf das kardiovaskuläre Risiko. In der Verumgruppe erreichten 14 Prozent der Patienten den kombinierten primären Endpunkt (nicht-tödlicher Herzinfarkt oder Schlaganfall, kardiovaskulärer Tod, Hospitalisierung wegen instabiler Angina pectoris oder Herzinsuffizienz). In der Placebo-Gruppe waren es 15 Prozent. Auch die Gesamtmortalität war in beiden Gruppen ähnlich hoch.

Die Autoren um Rury Holman von der University of Oxford Diabetes Trials Unit wollen das Konzept der Senkung postprandialer Blutzuckerspitzen zum Herzschutz trotzdem nicht aufgeben. Indem Acarbose die Entwicklung von Diabetes bei KHK verzögere, könne die Substanz womöglich langfristig auch das kardiovaskuläre Risiko senken, betonen sie.

Auch die Professoren Michael Nauck und Juris Meier vom St. Josef-Hospital in Bochum sehen noch Potenzial. Acarbose könne vielleicht in fortgeschrittenen Diabetes-Stadien das kardiovaskuläre Risiko senken, schreiben sie in einem Kommentar. Zur Diabetes-Prävention seien aber möglicherweise andere Maßnahmen wie Lebensstiländerungen, Metformin oder Glitazone wirksamer. (vsc)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Risikogruppen bei Prädiabetes

Wem nützt die bariatrische Chirurgie am meisten?

Deutliche Geschlechterunterschiede

Typ-2-Diabetes verschlechtert Prognose von Männern mit frühem Melanom

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

„ÄrzteTag“-Podcast

Wie kommuniziert man Zahlen und Risiken verständlich, Dr. Lühnen?

Körperliches Training

Mit einer Stunde mehr Sport die Brustkrebsmortalität senken?

Lesetipps
Die deutsche Nationalelf bei einem Training.

© picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann / SVEN SIMON

Fußball-Weltmeisterschaft

WM-Kolumne: Wie das Hotel die Leistungsfähigkeit im Spiel beeinflusst

Eine Reihe von Holzfiguren steht nebeneinander.

© MidJen / stock.adobe.com / Generiert mit KI

Beschäftigung von Menschen mit Beeinträchtigung

Inklusiver Arbeitsplatz? Warum Praxen von Vielfalt im Team besonders profitieren