Ärzte Zeitung online, 15.05.2018

Diabetiker

Ramadan-Fasten auf eigene Faust ist gefährlich!

Einige Muslime mit Diabetes wollen nicht auf das Fasten während des Ramadan verzichten. Besonders Hypoglykämien können Betroffene gefährden.

Von Wolfgang Geissel

Ramadan-Fasten ist bei Diabetes auf eigene Faust gefährlich!

Traditionelle Zwischenmahlzeit: Beim Ramadan wird ein Drittel der Kalorien nachts aufgenommen.

© Mila Supynska - stock.adobe.com

NEU-ISENBURG. Der Fastenmonat Ramadan hat dieses Jahr am 15. Mai begonnen und dauert bis zum 14. Juni.

Für gläubige Moslems heißt das: über 30 Tage von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nicht essen, nicht trinken, nicht rauchen und keinen Geschlechtsverkehr.

Kranke sind durch ihren Glauben allerdings nicht unbedingt zum Fasten verpflichtet. Patienten mit besonders hohem Risiko sollte daher auch davon abgeraten werden.

"Beim Fasten verändern sich die Essgewohnheiten des Menschen deutlich. Abends isst er zwei Drittel und nachts ein Drittel der täglichen Kalorienmenge. Der verschobene Tag-Nacht-Rhythmus kann bei Diabetes zum Problem werden. Denn während des Fastens ist das Risiko für Hypoglykämien um das Siebenfache erhöht, für schwere Unterzuckerungen mit Krankenhausaufenthalt liegt es fünfmal so hoch", betont Dr. Mahmoud Sultan aus Berlin (Allgemeinarzt 2017; 39: 44).

Morgens Insulindosis reduzieren!

Ramadan: Checkliste für Diabetiker

Tipps zum Fasten im Ramadan zur Weitergabe an Patienten hat die "Deutsche Diabetes Hilfe" zusammengestellt.

Thematisiert werden unter anderem Therapieumstellung und Hypoglykämie-Prävention.

Auch zur Ernährung beim täglichen Fastenbrechen gibt es viele Ratschläge.

Sind Zuckerkranke stabil eingestellt, ist Fasten aber häufig möglich. Viele Patienten trauen sich jedoch nicht, ihren Arzt darauf anzusprechen, und Einige fasten dann auf eigene Faust.

"Ärzte sollten daher Patienten aktiv danach fragen und abklären, ob die gesundheitliche Situation es erlaubt", sagt der niedergelassene Internist.

Darüber hinaus ist vor allem darauf zu achten, dass Insulin und andere Antidiabetika mit Hypoglykämie-Risiko in den Morgenstunden reduziert werden. Solche Medikamente können nämlich wegen der veränderten Lebensweise im Fastenmonat trotz gewohnter Dosierung Hypoglykämien verursachen.

Zudem ist darauf zu achten, dass der Einnahmezeitpunkt einer regelmäßigen Medikation verschoben wird: Denn fastende Patienten dürfen während des Tages auch keine Tabletten schlucken, da dies als Fastenbruch gewertet würde. Im Ramadan darf darüber hinaus auch parenteral nichts zugeführt werden, auch Injektionen sind tagsüber nicht erlaubt.

Angehörige müssen Risiken kennen

Das gilt allerdings nicht im Notfall: Sobald Menschen mit Diabetes verwirrt wirken, Kreislaufprobleme auftreten oder sie gar umkippen, sollten sie unverzüglich Wasser trinken. Besonders eine Unterzuckerung kann Ursache eines solchen Zusammenbruchs sein.

Patienten und vor allem auch ihre Angehörigen sollten die Symptome einer sich anbahnenden Hypoglykämie unbedingt kennen: Schwitzen, Zittern oder Herzklopfen. Betroffene müssen sofort Traubenzucker essen, Cola oder Fruchtsaft trinken. Das Fasten muss dann unterbrochen werden.

Häufig verschlechtern sich auch die Blutzuckerwerte von Menschen, die fasten. Um Unterzuckerungen zu vermeiden, sollte zudem öfter als üblich der Blutzucker gemessen werden.

Empfohlen wird dies vor dem Fastenbrechen nach Sonnenuntergang und zwei Stunden vor dem Essen vor Sonnenaufgang sowie tagsüber.

Als Faustregel gilt: Ist der Blutzuckerwert niedriger als 59 mg/dl oder höher als 288 mg/dl, muss mit dem Fasten sofort aufgehört werden. Patienten sollte zudem eingeschärft werden, dass sie abends, beim Fastenbrechen ausreichend Wasser oder ungesüßten Tee trinken, damit der Körper nicht austrocknet.

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