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Ärzte Zeitung online, 23.11.2018

Dehnungsstreifen

Viele Versprechen, wenig harte Fakten

Cremen, peelen oder doch lasern? Menschen, die sich an ihren Dehnungsstreifen stören, haben jede Menge Behandlungsoptionen. Doch bei vielen fehlt die wissenschaftliche Evidenz.

Von Christine Starostzik

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Schwangere sind häufig von ihnen betroffen: Dehnungsstreifen an Bauch, Brust, Gesäß oder Oberschenkeln.

© simarik / Getty Images / iStoc

MANCHESTER. Bei der Behandlung von Patientinnen mit Dehnungsstreifen werden je nach Alter und Aussehen der Streifen drei Ziele verfolgt: Kollagenbildung, Verblassen und Repigmentierung.

Vielfältige Verfahren sind im Angebot. Nach Sichtung der aktuellen Studienlage kommen US-Dermatologen allerdings zu dem Schluss, dass die Datenlage noch immer zu dünn sei, um Empfehlungen für die eine oder andere Methode auszusprechen.

Systematisches Review

Dehnungsstreifen bilden sich häufig im Laufe einer Schwangerschaft, in der Pubertät oder bei Gewichtszunahmen an Bauch, Brust, Gesäß oder Oberschenkeln aus. Zunächst erscheinen sie rötlich, später verlieren sie ihre Farbe und sinken in die Haut ein.

Viele der Betroffenen würden die permanenten Läsionen gerne wieder loswerden. Zumindest hoffen sie auf Verbesserungen durch eines der zahlreichen angepriesenen Therapieverfahren von Cremes über Säurepeelings bis hin zur Laserbehandlung.

Für einen Überblick, welche Methoden auf dem Markt sind und was über deren Wirksamkeit bekannt ist, haben Adam Hague und Kollegen von der University of Manchester in einem systematischen Review 74 einschlägige Publikationen gesichtet (J Am Acad Dermatol 2017; 77(3): 559–568).

Die meisten Behandlungsmethoden zielen darauf ab, die Kollagenproduktion anzukurbeln. In einigen Studien wurde dies in höheren Dosierungen und bei relativ frischen Striae offenbar mit topischem Tretinoin erreicht, doch es gibt auch Daten, die das Gegenteil belegen.

Auch nach dem Auftragen asiatischer Kräuterextrake (Centella asiatica) wurde über eine gewisse präventive und verbessernde Wirkung berichtet.

Mit Hyaluronsäurepräparaten konnte in zwei randomisierten kontrollierten Studien die Kollagenproduktion gesteigert und damit das Hautbild verbessert werden. Für alle drei Präparate wurden Studien mit dem höchsten Evidenzlevel 1 (LOE 1) gefunden.

Wenig harte Daten

Neben der Radiofrequenztherapie (LOE 1, effektiv, aber meist kleine Studienkohorten und Nebenwirkungen wie Erytheme und Ödeme) existiert eine Reihe weiterer Optionen zur Anregung der Kollagensynthese: chemische Peelings, Mikrodermabrasion, Infrarotlicht, nicht fraktionierter Diodenlaser, "intense pulsed light" (IPL), perkutane Techniken sowie Versuche mit thrombozytenreichem Plasma (PRP).

Diese Methoden wurden als ineffektiv bewertet, hatten niedrige Evidenzlevel oder ihre Wirksamkeit war nicht in aussagekräftigen kontrollierten, randomisierten Studien untersucht worden.

Auch die offenbar als vielversprechend geltende Needling-Therapie mit Mikroströmen (Galvanopunktur) bedarf zunächst weiterer Evaluierung.

Kollagenaktivierung gelingt darüber hinaus mit fraktionierten Lasern. Dabei liefern nicht ablative Laser (fraktionierter Erbium-Glas-Laser, LOE 1) offenbar zuverlässigere Ergebnisse, insbesondere bei Striae albae, und werden im Vergleich zu ablativen Lasern von den Patienten eher akzeptiert.

Mit Gefäßlasern wie dem gepulsten Farbstofflaser (PDL) können Rötungen frischerer Dehnungsstreifen erfolgreich verringert werden. Zielstruktur ist dabei das Hämoglobin, aber auch Kollagen- und Elastinsynthese werden angeregt.

In einer Studie mit dem 577-nm-Kupferbromid-Laser verschwanden bei 33 Prozent die Striae distensae vollständig, bei den restlichen Probanden verkleinerten sie sich (LOE 4). Auch mit dem Nd:YAG-Laser versucht man, die Rötungen zu reduzieren (LOE 2).

Ziel: Repigmentierung

Ein wichtiges Ziel bei der Behandlung von Striae albae ist die Repigmentierung. Mit UV-Licht kann die Melaninsynthese vorübergehend aktiviert werden (LOE 2).

Mittels Laser (XeCl-Eximer-Laser: LOE 1) ist dies noch gezielter möglich, die Behandlung führte in verschiedenen Studien aber zu unterschiedlichen Ergebnissen und war mit Nebenwirkungen behaftet.

Weitere Versuche, Dehnungsstreifen abzuschwächen oder verschwinden zu lassen, wurden mit verschiedenen Ölen, Kakaobutter und Silikongel unternommen, aber ohne durchschlagende Erfolge (LOE 1, ineffektiv).

Trotz der weiten Verbreitung unterschiedlichster topischer Behandlungsmethoden ist über deren Wirkmechanismus oft nur wenig bekannt. Bislang habe keines der Verfahren seine Effektivität überzeugend unter Beweis stellen können, so Hague und Kollegen.

Kleine Stichprobenzahlen, unterschiedliche Behandlungsprotokolle und uneinheitlich definierte Erfolgskriterien sowie unbekannte Störfaktoren erschwerten die Bewertung der einzelnen Studien sowie deren Vergleich miteinander.

Obwohl Einzelerfolge bei der Behandlung von Dehnungsstreifen erkennbar seien, so Hague und Kollegen, könnten nach Sichtung der aktuellen Literatur noch immer keine Empfehlungen ausgesprochen werden. Weitere randomisierte, kontrollierte Studien seien notwendig, bevor endgültige Schlussfolgerungen möglich seien.

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