Ärzte Zeitung, 09.02.2004
 

Aus Pusteln können Keime direkt ins Hirn gelangen

Gesichtsfurunkel plus starke Kopfschmerzen und Fieber - Ursache kann eine septische Sinusvenen-Thrombose sein

MAINZ (hsr). Furunkel an Nase und Lippe, eitrige Entzündungen im Ohr, gerötete Augen mit geschwollenen Lidern, starke Kopfschmerzen, Fieber - bei Kombination dieser Symptome ist Eile angebracht: Solche massiven Keimbesiedlungen mit Staphylokokken lösen mitunter akut lebensbedrohliche septische Sinus-cavernosus-Thrombosen aus.

Diese Gefahr besteht bei Patienten mit Entzündungen auf der Gesichtshaut, in den Nasennebenhöhlen, mit Otitis media oder Mastoiditis, wie Dr. Andrea Tüttenberg von der Universitäts-Hautklinik in Mainz warnt (Hautarzt 4, 2003, 351). Denn bei solchen Infekten können die Erreger ungehindert über die zuleitenden kleinen Venen oder direkt durch die Knochenwand in den benachbarten Sinus gelangen.

Dabei entsteht eine umschriebene oder generalisierte Meningitis, es bildet sich eine Thrombose. Wird diese septisch, ist meist der Sinus transversus, ausgehend von Mastoid und Paukenhöhle, betroffen. Bei eitrigen Entzündungen im Ohr, im Gesicht - vor allem bei Oberlippenfurunkeln -, in Nasennebenhöhlen und der Orbita kann auch der Sinus cavernosus beteiligt sein.

Das war bei einem 38jährigen Mann der Fall, von dem Tüttenberg berichtet. Der Patient kam mit progredient verlaufenden pustulösen Hautveränderungen an Brust, Rücken und im Gesicht, vor allem an Nase, Lippe, Kopfhaut und in beiden Gehörgängen und Schwellung der Augenlider in die Klinik.

Außerdem war der Serumwert des C-reaktiven Proteins erhöht, es bestand eine Leukozytose und eine massive Keimbesiedelung mit Staphylococcus aureus im Nasenbereich. Der Mann klagte zudem über sehr starke Kopfschmerzen, rezidivierende Fieberschübe über 39 Grad Celsius und Schüttelfrost. Die CT-Angiographie des Schädels und der Nasennebenhöhlen sicherte schließlich die Diagnose: Der Mann hatte eine rechtsseitige Sinus-cavernosus-Thrombose mit Zeichen einer Abflußstörung der rechten Vena ophthalmica.

Der Mann wurde daraufhin sofort zehn Tage lang intravenös mit täglich zwei Gramm Ceftriaxon behandelt, bekam außerdem Heparin und für ein halbes Jahr Marcumar. Die frühzeitige Therapie mit Heparin sowie die Antibiose mit liquorgängigen Antibiotika wie Cephalosporinen erachtet Tüttenberg als "von größter Bedeutung für die Prognose des Krankheitsverlaufes". Ihr Patient jedenfalls hatte Glück: Aufgrund dieser Therapie ließen seine Schmerzen rasch nach, und die Hautveränderungen klangen vollständig ab.

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