Ärzte Zeitung, 06.09.2004

Studie bestätigt Nutzen der Schulung von Neurodermitikern

Ergebnisse der ersten bundesweiten kontrollierten Untersuchung / Unterrichtung der Patienten in sechs Sitzungen zu je zwei Stunden

DAVOS (hsr). Die Schulung von Neurodermitikern - ob von Kindern und ihren Eltern, Jugendlichen oder Erwachsenen - mit Anregung zum Selbstmanagement verbessert langfristig signifikant sowohl den Schweregrad der Hauterkrankung mit Abnahme von Symptomen wie Juckreiz und Kratzen als auch die Lebensqualität der Patienten. Das hat eine erste evidenzbasierte, bundesweite Untersuchung ergeben.

Die Ergebnisse der randomisierten, kontrollierten, multizentrischen Interventionsstudie GADIS (German Atopic Dermatitis Intervention Study) hat Professor Thomas Diepgen beim 20. Fortbildungskongreß "Fortschritte der Allergologie, Immunologie und Dermatologie" in Davos in der Schweiz vorgestellt.

In die Studie sind nach Angaben des Wissenschaftlers vom Institut für Arbeits- und Sozialmedizin in Heidelberg knapp 1000 Neurodermitiker mit einem SCORAD-Score von mindestens 20 Punkten - das bedeutet mit leichter bis mittelschwerer Erkrankung - aufgenommen worden. Die einen wurden geschult und behandelt, die anderen behandelt, aber nicht geschult.

Die Unterrichtung - insgesamt sechs Sitzungen zu jeweils zwei Stunden - fand in drei Altersgruppen statt: Eltern mit ihren erkrankten bis siebenjährigen Kindern, acht- bis zwölfjährige Patienten sowie Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 13 und 18 Jahren. Informiert wurde unter anderem über Vorbeugemaßnahmen wie Ernährung, Haustierhaltung, Berufswahl sowie über den Stufenplan bei atopischem Ekzem.

Dieser sieht in der ersten Stufe Basispflege und Prävention bei äußerlicher Symptomfreiheit, leichter Hauttrockenheit, minimaler Rötung vor, in der zweiten kortisonfreie antientzündliche Salben bei Juckreiz mit Rötung, Knötchen, Kratzspuren. In der dritten kommen dann medikamentöse lokale und systemische Therapien durch Dermatologen bei zunehmenden Beschwerden mit Nässen und Krustenbildung zum Zuge.

Wie Diepgen berichtete, nahm der Symptomscore in allen geschulten Neurodermitiker-Gruppen im Vergleich zu den ungeschulten bereits nach einem halben Jahr signifikant ab: etwa bei den Acht- bis Zwölfjährigen von vormals 45 auf 27 Punkte, verglichen mit 43,3 auf fast 41 Punkte in der Kontrollgruppe. Noch günstiger fielen die Resultate nach einem Jahr sowohl zum SCORAD als auch zu Parametern wie Juckreiz, Kratzen und Lebensqualität aus.

Aufgrund dieser Ergebnisse wünscht sich Diepgen, daß Krankenkassen eine solche Schulung rasch in die Versorgung der Patienten aufnehmen und die Verhandlungen darüber bald abgeschlossen werden, damit die Kranken davon profitieren.

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