Ärzte Zeitung, 08.02.2005

Akutrehabilitation soll die Rekonvaleszenz verbessern

Bereits auf der Intensivstation kann mit ersten Rehamaßnahmen begonnen werden / Verbesserung etwa von Schluckvorgang und Rumpfstabilität

BERLIN (gvg). "So früh wie möglich!"- diesem Motto folgt das noch junge therapeutische Konzept der Akutrehabilitation. Interdisziplinäre Ärzteteams bringen dabei das intensive, neuromuskuläre Funktionstraining bis auf die Intensivstation.

Eine systematische Akutrehabilitation wird in Deutschland im Moment im Rahmen von Modellprojekten in zwölf Akutkliniken angeboten. Ihr Kennzeichen: Bereits während der akuten Behandlung wird mit einem umfangreichen Rehabilitationsprogramm begonnen, um die Patienten dann "vortrainiert" in die Anschlußheilbehandlung zu schicken.

Der Rehabilitationsmediziner Dr. Jean-Jacques Gläsener, der am Allgemeinen Krankenhaus St. Georg in Hamburg (AKH) eine eigene Abteilung für fächerübergreifende Frührehabilitation leitet, trat auf dem 29. Forum "Fortschritt und Fortbildung in der Medizin" in Berlin für den Ausbau dieses Angebots ein.

Zusammen mit Kollegen aus der Inneren Medizin, der Orthopädie und der Neurologie beginnen die Hamburger ihre Therapie als mobiles Frührehabilitationsteam in einem eigens dafür eingerichteten Areal der AKH-Intensivstation, und zwar bereits dann, wenn die Patienten noch beatmet werden. Sie unterstützen die Intensivmediziner beim Entwöhnen vom Respirator und beim Beginn der eigenständigen Ernährung. Die Verlegung auf die eigene, mit Monitoren und Druckbeatmung (CPAP) ausgestattete Frühreha-Station erfolgt frühestens 24 Stunden nach Extubation.

"Kandidaten für eine Akutrehabilitation kommen aus allen Fachrichtungen", so Gläsener in Berlin. Patienten nach einem Schlaganfall kämen genauso in Frage wie kardiochirurgische oder unfallchirurgische Patienten. Die wesentlichen Aufgaben des interdisziplinären Ärzte- und Therapeutenteams sieht Gläsener im Aufbau der Kommunikationsfähigkeit bei Patienten mit Trachealkanülen, in Übungen zur Verbesserung der Rumpfstabilität, der Handmotorik oder des Schluckvorgangs.

Professor Christoph Gutenbrunner von der Medizinischen Hochschule Hannover sieht die Akutrehabilitation unter einem physiologischen und einem psychologischen Aspekt. Es spreche viel dafür, daß durch frühes Training Muskel- und Nervengewebe erhalten werden kann, dessen Funktion später nicht mehr so leicht reaktiviert werden könne. Um handfeste Daten über einen tatsächlichen medizinischen Nutzen in der Hand zu haben, seien aber noch weitere Studien erforderlich.

Gutenbrunner sieht aber auch einen großen psychologischen Vorteil der Akutrehabilitation: Die Patienten und auch ihre Angehörigen sehen schon sehr früh, daß alles getan wird, um später die Wiedereingliederung in den Alltag oder das Arbeitsleben zu erreichen.

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