Forschung und Praxis, 19.12.2005
 

Erste Hilfe - Fit für die Reanimation in nur 20 Minuten?

Keine Zeit, einen Erste-Hilfe-Kurs zu besuchen? Zwei US-Studien sollen beweisen, daß es nur eine halbe Stunde Unterweisung braucht, um effektiv reanimieren zu können.

Dazu haben Dr. Ahamed H. Idris aus Dallas und Kollegen 119 Angestellte einer US-Fluggesellschaft einen üblichen vierstündigen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren lassen, weitere 151 Angestellte brauchten sich lediglich ein 20-Minuten-Video anzuschauen.

Danach haben drei Notärzte, die nicht wußten, wer welchen Kurs absolviert hat, die Fähigkeiten der Teilnehmer am Simulator überprüft. Ergebnis: 98 Prozent der Teilnehmer in der traditionell unterwiesenen Gruppe erfüllten die Anforderungen und 95 Prozent in der Video-Gruppe - der Unterschied war nicht signifikant.

Auch die Geschwindigkeit zum Erlernen des Umgangs mit einem automatischen externen Defibrillator (AED) haben Idris und Mitarbeiter deutlich erhöht. In den gleichen Studiengruppen war die Fünf-Minuten-Unterweisung am AED sogar signifikant effektiver als das Training in der Vier-Stunden-Gruppe.

Ob diese Ergebnisse bei Flugbegleitern und Flughafenpersonal repräsentativ für die Gesamtbevölkerung sind, ist zweifelhaft. Die American Heart Association hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahre 2010 die Zahl der US-Bürger, die jährlich einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen, zu verdoppeln. Die Studienergebnisse sollen in dieses nationale Trainingsprogramm einfließen.

Profis können ebenfalls ihre Reanimationsfähigkeiten verbessern - wenn der AED mit ihnen spricht. So lautet das Ergebnis einer norwegischen Studie, die Dr. Jo Kramer-Johansen von der Universität Oslo vorgestellt hat. Rettungssanitäter hatten modifizierte AED-Geräte erhalten, die die Qualität der kardiopulmonalen Reanimation registrieren und entsprechende Anweisungen geben können, etwa zur Kompressionstiefe bei der Herzdruckmassage, zur Kompressionsfrequenz oder zur Ventilation.

Der Vergleich von 108 dieser "assistierten" Reanimationen mit 176 historischen Kontrollen ergab eine deutliche Verbesserung der Reanimationstechnik mit weniger interindividuellen Variationen. Ob das Auswirkungen auf die Prognose der reanimierten Patienten hatte, wurde nicht berichtet. (ner)

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