Ärzte Zeitung, 12.10.2010

Kommentar

Die Praxis als Experimentierfeld?

Von Peter Overbeck

Fortschritte in der Herzkatheter-Behandlung haben die Kardiologen ermutigt, immer weiter in Indikationsgebiete vorzudringen, die bisher anerkannte Domäne der Herzchirurgen waren. Tatsache ist, dass die Zahl der koronaren Bypass-Operationen - aktuell dokumentiert im neuesten "Herzbericht" - seit Jahren rückläufig ist, die der Stent-Implantationen dagegen stetig steigt.

Seit einiger Zeit haben die Kardiologen auch den Aortenklappenersatz per Herzkatheter für sich entdeckt. In Deutschland hat die Zahl dieser Eingriffe rasant zugenommen. Herzchirurgen monieren mit Recht, dass dafür noch kein solides Fundament aus wissenschaftlichen Studiendaten existiert. Dokumentiert ist der Nutzen des kathetergestützten Aortenklappenersatzes bisher allein bei Hochrisikopatienten, denen eine Operation am offenen Herzen nicht zugemutet werden kann. Bei allen anderen Eingriffen wird die Praxis zum Experimentierfeld. Es bleibt zu hoffen, dass das von Kardiologen und Herzchirurgen gemeinsam geführte Deutsche Aortenklappen-Register, das alle Eingriffe - operativ oder kathetergestützt - lückenlos erfasst, zur Qualitätssicherung beiträgt.

Lesen Sie dazu auch:
Deutschland ist Weltmeister bei Transkatheter-Klappenersatz

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