Ärzte Zeitung, 19.01.2012

Wann Marathonlaufen lebensgefährlich wird

Immer mehr Menschen nehmen an Marathon läufen teil. Todesfälle sind dabei selten. Bei den Läufern sollten jedoch Herzkrankheiten ausgeschlossen sein.

Wann Marathonlaufen lebensgefährlich wird

Trotz der großen Anstrengungen gibt es beim Marathon nur sehr selten Todesfälle.

© Arne Dedert / dpa

BOSTON (St). Häufigkeit und Ausgang von Herzstillständen bei Marathon- und Halbmarathonläufen in den USA haben jetzt Forscher der Harvard Medical School untersucht (NEJM 2012; 366: 130). Dazu befragten sie Überlebende sowie Angehörige Verstorbener und analysierten Daten aus dem Race Associated Cardiac Arrest Event Registry (RACER).

Danach hatten von 2000 bis 2010 von 10,9 Millionen Läufern 59 einen Herzstillstand (0,54/100.000), 42 von ihnen starben dabei. Bei 31 Läufern wurde die Ursache für den Herzstillstand ermittelt. Ergebnis: acht hatten eine hypertrophe Kardiomyopathie, bei weiteren sieben bestand Verdacht darauf.

Bei neun Läufern gesellte sich zur hypertrophen Kardiomyopathie eine zusätzliche Krankheit wie ob struktive KHK, Myokarditis, Aortenklappen- oder Herzanomalie, akzessorische artrioventrikuläre Leitungsbahnen sowie Hyperthermie.

Todesursache bei Läufern ohne linksventrikuläre Hypertrophie waren Hyponatriämie, Hyperthermie, arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie oder primäre Arrhythmie.

Wenig Todesfälle bei Marathon und Halbmarathon

Überlebende eines Herzstillstands waren im Mittel älter als die Gestorbenen (53 vs. 34 Jahre), hatten mehr Erfahrung mit Langstreckenläufen und waren medizinisch besser betreut. Bei fünf von acht der überlebenden Sportler wurde eine ischämische Herzerkrankung festgestellt.

Fazit: Im Vergleich zu anderen Sportarten gibt es bei Langstreckenläufen relativ wenig Todesfälle. Die Inzidenz für plötzlichen Tod bei Marathon und Halbmarathon beträgt 1/259.000 im Vergleich zu 1/43.700 beim Hochschulsport, 1/52.630 beim Triathlon und 1/7620 beim Joggen (mittelalte Läufer).

86 Prozent der Todesfälle bei Langstreckenläufen betrafen Männer. Das wird damit erklärt, dass eine (unerkannte) hypertrophe Kardiomyopathie häufiger Männer trifft und bei ihnen im Vergleich in jüngeren Jahren eine Atherosklerose einsetzt.

In Vorsorgeuntersuchungen bei Läufern sollte daher auf hypertrophe Kardiomyopathie und Atherosklerose geachtet werden.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Mikroben – Heimliche Heiler

Jede zweite Zelle in und auf uns gehört einer Mikrobe. Durch die erfolgreiche Behandlung mit fäkalen Mikrobiota, etwa bei Autismus, hat die Mikrobiomforschung an Fahrt gewonnen. mehr »

Junge Besucher waren "Verjüngerungskur für DGIM"

Die "Ärzte Zeitung" hat den letzten DGIM-Kongresstag mit der Kamera begleitet. Tagungspräsident Sieber hat uns dabei Rede und Antwort gestanden - und erzählt, was ihn in den Tagen begeistert hat. mehr »

628 Kliniken soll Geld gestrichen werden

Hunderte Krankenhäuser sollen nach einem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses keinen Zuschlag mehr für die Notfallversorgung erhalten. mehr »