Ärzte Zeitung online, 21.06.2012

Clopidogrel - nichts für Nichtraucher?

Eine Gruppe von US-Forschern ist jetzt mit einer provokanten Hypothese zur Wirksamkeit von Clopidogrel an die Öffentlichkeit getreten. Nach ihrer Einschätzung lassen die wissenschaftlichen Daten am Nutzen des Thrombozytenhemmers bei Nichtrauchern zweifeln.

Clopidogrel - nichts für Nichtraucher?

Wirkt Clopidogrel bei ihm besser?

© Zurijeta / shutterstock

BALTIMORE (ob). Das Forscherteam um Dr. Paul Gurbel aus Baltimore beschäftigt sich schon seit geraumer Zeit mit dem Thema "Clopidogrel-Resistenz".

Im Jahr 2008 publizierte die Gruppe eine Studie zur antithrombozytären Wirkung von Clopidogrel bei 259 KHK-Patienten mit elektiver Koronarintervention.

Darin kam man zu dem Ergebnis, dass unter einer Clopidogrel-Therapie bei Rauchern die plättchenhemmende Wirkung stärker und die aggregatorische Plättchenaktivität geringer ausgeprägt war als bei Nichtraucher.

Die Forscher erklären dies damit, dass Rauchen die Aktivität des Isoenzyms CYP-1A2 verstärkt, welches zunächst als Prodrug vorliegendes Clopidogrel in den aktiven Metaboliten umwandelt.

Die durch Rauchen induzierte Hochrekulierung dieses Enzyms könnte somit die Wirkung von Clopidogrel verstärken.

In einem jetzt im "Journal of the American Medical Association" unter der Rubrik "Standpunkt" veröffentlichten Beitrag gehen Gurbel und seinen Kollegen einen Schritt weiter.

Diesmal haben sie Subanalysen großer Studien zur Frage einer möglichen Interaktion zwischen Clopidogrel und Rauchverhalten genauer unter die Lupe genommen (JAMA 2012; 23: 2495).

Eine unbestätigte Hypothese

Aus jeder dieser Studien (CAPRIE, CURE, CREDO, CHARISMA, CLARITY-TIMI 28, CURRENT-OASIS) ergeben sich nach Auffassung der Gruppe um Gurbel konsistente Hinweise darauf, dass Clopidogrel bei Patienten, die nicht rauchen, keine oder nur eine geringe klinische Wirksamkeit besitze.

Was folgt daraus? Bekanntlich haben Studienergebnisse, die aus retrospektiv vorgenommenen Subgruppenanalysen resultieren, bestenfalls "Hypothesen-generierenden" Charakter.

Der nächste Schritt wäre eine große klinische Endpunktstudie, um die Stichhaltigkeit der neuen Hypothese zu überprüfen. Ob diese Studie je verwirklicht wird, darf bezweifelt werden. Wissenschaftlich betrachtet bleibt es also vorerst bei der unbestätigten Hypothese.

Gleichwohl wecken die Beobachtungen bei Gurbel Bedenken, ob eine Behandlung mit Clopidogrel bei Nichtrauchern angesichts der Kosten und potenziellen Risiken noch zu rechtfertigen sei.

Auf jeden Fall müsse der Zusammenhang zwischen Rauchen und Clopidogrel weiter untersucht werden.

Gurbel stellt in Kürze vorliegende Ergebnisse einer neuen Vergleichsstudie in Aussicht, in der auf Basis von Aggregationsmessungen geprüft worden ist, ob Rauchen die thrombozytenhemmende Wirkung und den Metabolismus von Clopidogrel und der Alternativsubstanz Prasugrel beeinflusst.

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