Ärzte Zeitung, 25.06.2015

Bauchaorten-Aneurysma

Auch Frauen sollen zum Screening!

Männern ab 65 beschert ein Ultraschall-Screening auf ein Bauchaorten-Aneurysma mehr Lebenszeit. Frauen seien davon zwar seltener betroffen - dennoch sollten auch sie von dem Angebot profitieren, fordert die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin.

BERLIN. Männer, die sich einmalig einem Ultraschall-Screening zur Erkennung eines BauchaortenAneurysmas unterziehen, haben nachweislich ein vermindertes Sterberisiko. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), wie die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) mitteilt.

Die Ergebnisse dieser Nutzenbewertung lassen es also sinnvoll erscheinen, für Männer ab 65 Jahren ein einmaliges Screening durchzuführen, habe das IQWiG resümiert.

Risikopatienten schon ab 55 screenen

Die DEGUM-Experten begrüßen diese Empfehlung. Auch die DEGUM habe sich gegenüber dem GBA klar für Reihenuntersuchungen der Bauchschlagader ausgesprochen, heißt es in der Mitteilung der Fachgesellschaft. Risikopersonen sollten aber bereits ab 55 Jahren untersucht werden.

"Patienten mit Bluthochdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen oder starke Raucher haben ein deutlich erhöhtes Risiko, bereits in jüngeren Jahren an einem Aneurysma zu erkranken", wird Dr. Clemens Fahrig, Sprecher des DEGUM-Arbeitskreises "Vaskulärer Ultraschall" in der Mitteilung der Fachgesellschaft zitiert.

Außerdem sollten nach Ansicht der DEGUM auch Frauen an dem Programm teilnehmen. "Da sie viel seltener betroffen sind, gibt es über Frauen weniger Daten", erklärt der Chefarzt Innere Medizin und Leiter des Gefäßzentrums am Evangelischen Krankenhaus Hubertus in Berlin.

Dies bedeute aber nicht, dass sie nicht ebenso von einem Vorsorge-Ultraschall profitieren. Im Jahr 2013 wurden in Deutschland 13 700 Patienten - darunter knapp 2000 weibliche - mit einem Bauchaorten-Aneurysma im Krankenhaus behandelt.

Die DEGUM empfiehlt, das Screening durch gut ausgebildete Angiologen, Gefäßchirurgen, Internisten, Chirurgen sowie Radiologen und Allgemeinmediziner durchzuführen, die mindestens eine Qualifikation der DEGUM Stufe I aufweisen.

Check kostet 25 Euro

"Findet der Erstuntersucher Hinweise auf ein Aneurysma, sollte die weitere Behandlung in einem zertifizierten Gefäßzentrum durchgeführt werden", fordert die Fachgesellschaft.

Die DEGUM weist darauf hin, dass Patienten bereits jetzt die Möglichkeit haben, den Ultraschall-Check für rund 25 Euro auf eigene Kosten vornehmen zu lassen.

Bisher bezahle eine einzige Krankenkasse das Screening für Männer ab 60 Jahren im Rahmen der vertragsärztlichen Versorgung - allerdings nur im Bereich der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe. (eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Die Notfall-Probleme „an der Wurzel packen“

Gesundheitsminister Spahn stellt Details seiner Umbaupläne für die Notfallversorgung vor. Die zahlreichen Reaktionen zeigen, wie viele Interessen es bei dem Thema gibt. mehr »

„Wir müssen die Hamsterräder anhalten“

Es gibt in Deutschland ausreichend Ärzte, findet Professor Ferdinand Gerlach, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Uni in Frankfurt. Welche Kernprobleme er sieht und wie die Versorgung verbessert werden kann, verrät er im Interview. mehr »

Thermometer aus der Blase gezogen

Mitunter verschwinden Gegenstände versehentlich in der Blase, manche stecken sich bewusst Besenstiele oder Fische ins Organ. Urologen konnten nun ein Thermometer über die Harnröhre eines Mannes entfernen – ganz ohne Op. mehr »