Schlaganfall unter ASS

Gut oder schlecht?

Ein ischämischer Schlaganfall unter ASS-Behandlung geht mit einem erhöhten Blutungsrisiko einher. Die Chance auf ein gutes funktionelles Ergebnis scheint trotzdem besser zu sein als ohne ASS-Vortherapie.

Veröffentlicht:

SEOUL. Ob sich eine Vortherapie mit ASS auf den Schweregrad eines ischämischen Schlaganfalls günstig auswirkt oder nicht, wird in Studien uneinheitlich bewertet. Die unterschiedlichen Ergebnisse hängen wahrscheinlich mit dem Insultsubtyp zusammen, wie eine Registerstudie aus Südkorea offenbart.

Eine Minderung des Schweregrades gemäß der NIH Stroke Scale (NIHSS) wurde dort nur bei einem atherothrombotischen Ereignis beobachtet. Unabhängig von der Genese des Schlaganfalls hatten mit ASS vorbehandelte Patienten aber einen besseren funktionellen Status bei Entlassung aus dem Krankenhaus.

In der Studie wurden Daten von 10.433 Patienten ausgewertet, die zwischen 2008 und 2012 einen ischämischen Schlaganfall erlitten hatten (Ann Neurol 2016, 79(4): 560-568). 1914 Patienten (18,3 Prozent) waren zu diesem Zeitpunkt ASS-Anwender. Erwartungsgemäß unterschieden sie sich von den Patienten ohne ASS-Therapie in zahlreichen insultrelevanten Aspekten, waren zum Beispiel älter und litten häufiger an Hochdruck, Diabetes und Vorhofflimmern.

Mit ASS höhere NIHSS-Scores

Dementsprechend hatten die ASS-Vorbehandelten höhere NIHSS-Scores (im Mittel um 0,35 Punkte), solange die Daten unbereinigt verglichen wurden. Das änderte sich jedoch, wenn in einer multivariaten Analyse die unterschiedlichen Charakteristika adjustiert oder in einer speziellen Form der Propensity-Score-Analyse die Wahrscheinlichkeiten für eine ASS-Behandlung abgeglichen wurden.

Vorteil bei großen Gefäßen

In beiden Fällen wirkte sich bei Patienten mit einer Atherosklerose der großen Arterien als vermuteter Schlaganfallursache die ASS-Vortherapie vorteilhaft aus: Der NIHSS-Score lag im Mittel um 0,97 Punkte niedriger als ohne ASS (6,91 vs. 7,88). Keinerlei Effekt des Thrombozytenhemmers zeigte sich dagegen bei denjenigen Patienten, bei denen der Verschluss eines kleinen Gefäßes oder eine Kardioembolie den Hirninfarkt verursacht hatte.

Das Risiko einer hämorrhagischen Transformation war unter ASS erhöht: 7,4 Prozent der Patienten waren betroffen, gegenüber 4,3 Prozent der Patienten ohne ASS. Dieser Nachteil blieb auch nach Abgleich der unterschiedlichen Patientencharakteristika beziehungsweise Behandlungswahrscheinlichkeiten (Risikoerhöhung um 34 Prozent) erhalten.

Trotzdem verließen die Patienten mit ASS-Vortherapie das Krankenhaus in einem besseren funktionellen Zustand. Das Risiko für einen höheren Wert in der modifizierten Rankin-Skala (mRS) war um 14 Prozent niedriger als bei Patienten ohne vorhergehende ASS-Therapie.

Die Studienautoren um Jong-Moo Park vom Universitätskrankenhaus in Seoul sehen daher einen zweifachen Nutzen einer ASS-Vortherapie, falls sie nicht in der Lage ist, einen Schlaganfall zu verhindern:

Bei atherothrombotischen Schlaganfällen kann der Schweregrad reduziert werden.

Bei allen Patienten kann das kurzfristige funktionelle Outcome verbessert werden. (bs)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Review

RAS-Blocker präoperativ eher nicht absetzen?

Hepatische und kardiovaskuläre Folgen

Steatotische Leberleiden unterscheiden sich prognostisch

Patienten könnten trotzdem profitieren

Studie: Metformin bei metastasiertem Prostatakrebs nicht lebensverlängernd

Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Umbrella-Review

Welcher Sport bei Depression und Angststörung am besten hilft

Lesetipps
Ein Mann im Hintergrund nimmt einen Schluck von einem Drink. Im Vordergrund stehen vier Flaschen mit alkoholischen Getränken.

© Axel Bueckert / stock.adobe.com

Analyse des Trinkverhaltens

Wie lebenslanger Alkoholkonsum das Darmkrebsrisiko steigert