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Salzkonsum

Die richtige Prise

Der Streit um die optimale Salzzufuhr geht in die nächste Runde. Eine neue Analyse legt nahe, dass eine generelle Reduktion des Salzkonsums nicht empfehlenswert ist.

Von Veronika Schlimpert Veröffentlicht:
Zurückhaltung bei der Natriumzufuhr - eine solche Empfehlung erscheint neuen Studiendaten zufolge nur für Hypertoniker ratsam.

Zurückhaltung bei der Natriumzufuhr - eine solche Empfehlung erscheint neuen Studiendaten zufolge nur für Hypertoniker ratsam.

© fovito/fotolia.com

HAMILTON. Salz - eines der ältesten Gewürzmittel - ist mittlerweile ziemlich in Verruf gekommen. Über die optimale Menge an zugeführtem Kochsalz sind sich Experten bisher allerdings nicht einig. Ist weniger mehr? Oder ist zu wenig auch nicht gut? Die bisherige Evidenz dazu ist unklar.

So zeigen einige Untersuchungen - so wie es auch bei vielen anderen physiologischen Parametern wie dem BMI zu sehen ist - eine U-förmige Beziehung zwischen der täglichen Salzzufuhr und der kardiovaskulären Sterblichkeit. Andererseits weiß man von Naturvölkern, die sehr wenig Salz zu sich nehmen, ohne gesundheitliche Einschränkungen davonzutragen.

Nutzen der Restriktion umstritten

Trotz dieser unsicheren Datenlage haben Fachgesellschaften Empfehlungen zur optimalen Salzzufuhr ausgesprochen. Sehr streng ist die American Heart Association (AHA) mit ihrer Vorgabe, nicht mehr als 1,5 Gramm Natrium pro Tag aufzunehmen; das entspricht etwa 3,8 Gramm Kochsalz.

Die Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention DHL® e. V. legt sich auf eine Obergrenze von 6 Gramm Kochsalz pro Tag fest.

Für Menschen mit Bluthochdruck gilt der Nutzen einer Restriktion des Salzkonsums bei den meisten Experten als unumstritten. Doch sollten sich auch alle anderen Menschen an diese Vorgabe halten?

Um diese Frage beantworten zu können, haben Wissenschaftler um Andrew Mente von der McMaster University in Hamilton Daten aus den vier großen prospektiven Studien PURE, ONTARGET, TRANSCEND und EPIDREAM gepoolt und ausgewertet.

Die tägliche Kochsalzzufuhr der insgesamt 133.119 Teilnehmer wurde mithilfe der geschätzten Natriumausscheidung im 24-Stunden-Urin ermittelt; diese Schätzung basierte wiederum auf nüchtern gemessenen Morgenurinproben. Von nicht wenigen Experten wird diese Schätzmethode als zu ungenau eingestuft.

Die Autoren dieser Studien verweisen dagegen auf Untersuchungen, in denen die im Morgenurin geschätzte Natriumausscheidung gut mit der im 24-Stunden-Urin direkt bestimmten Menge korrelierte.

Geringstes Risiko bei 4 bis 5 g

Letztlich lag die geschätzte Natriumzufuhr der meisten Teilnehmer zwischen 3 bis 6 g täglich (bei 65 Prozent der 63.559 Hypertoniker und 69 Prozent der Nichthypertoniker). Das geringste Risiko, einen Myokardinfarkt, Schlaganfall sowie eine Herzinsuffizienz zu erleiden oder zu sterben (kombinierter primärer Endpunkt), hatten Personen mit einer täglichen Salzzufuhr von 4 bis 5 g.

Im Vergleich zu dieser Referenzgruppe wiesen Hypertoniker, die mehr als 7 g Salz pro Tag zu sich nahmen (11 Prozent), ein um 23 Prozent höheres Risiko für den primären Endpunkt auf. Allerdings war das Risiko ebenfalls erhöht, wenn weniger als 3 Gramm Salz pro Tag konsumiert wurden (Hazard Ratio, HR: 1,34), was auf etwas mehr als jeden zehnten Bluthochdruckpatienten zutraf.

Bei den gesunden, nicht hypertonen Teilnehmern hingegen hatte selbst ein hoher Salzkonsum von mehr als 7 Gramm keine signifikanten Auswirkungen auf die Sterblichkeit und die Häufigkeit kardiovaskulärer Ereignisse (HR: 0,90). Aber auch bei ihnen war eine sehr geringe Zufuhr von weniger als 3 Gramm Natriumchlorid pro Tag mit einem höheren Risiko assoziiert (HR: 1,26).

Somit sei eine mit einem hohen Salzkonsum assoziierte Risikoerhöhung für kardiovaskuläre Ereignisse und Tod nur bei Hypertonikern, nicht aber bei gesunden Menschen zu sehen, schreiben die Studienautoren in der entsprechenden Publikation. Gerade mal 10 Prozent der hier untersuchten Personen hätten sowohl einen hohen Bluthochdruck als auch einen hohen Salzkonsum (=6 Gramm pro Tag) aufgewiesen.

Randomisierte Studien notwendig

Deshalb halten die Studienautoren bevölkerungsweite Initiativen, die darauf abzielen, den Salzkonsum der Allgemeinbevölkerung zu reduzieren, für fragwürdig; mit Ausnahme von Regionen, in denen der durchschnittliche Salzkonsum generell hoch sei wie in Zentralasien oder in Teilen Chinas.

Denn ob der restliche und damit der Großteil der Bevölkerung ebenfalls von einer Einschränkung der Salzzufuhr profitiere, sei unklar. Und ehe es keine robusten Daten dazu gebe, sei eine solche Empfehlung nur für Hypertoniker sinnvoll, erläutern sie ihre Einwände. Diese Kontroverse endgültig klären können nach Ansicht von Mente und Kollegen nur randomisierte kontrollierte Studien.

Des Weiteren würden die Befunde darauf hindeuten, dass auch beim Kochsalz ein unterer Grenzwert existiere, ab dem eine weitere Einschränkung ungesund sei, so die Autoren. Da in dieser Analyse die Assoziation zwischen Salzzufuhr und kardiovaskulärem Risiko selbst nach Adjustierung auf den Blutdruck bestehen blieb, nehmen sie an, dass dabei auch blutdruckunabhängige Effekte eine Rolle spielen könnten.

So haben Untersuchungen gezeigt, dass das ReninAngiotensin-System und die Katecholaminsekretion durch eine zu geringe Salzzufuhr aktiviert werden. Ein Anstieg der Konzentration dieser Hormone ist Studien zufolge mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und Tod assoziiert.

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