Ärzte Zeitung, 01.11.2016

MHH-Forscher

mikroRNAs reparieren das Endothel

MHH-Forscher fördern die Heilung von Endothelschäden mit mikroRNAs, die über winzige abbaubare Partikel ins Blut injiziert werden.

HANNOVER. Im Laufe des Lebens nutzt sich das Endothel, die schützende Zellschicht im Innern der Blutgefäße ab, die Gefäßwände verdicken und verkalken, erinnert die Medizinische Hochschule (MHH) Hannover in einer Mitteilung. Diese Veränderungen sind häufig Ursache für Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Forscher der MHH haben nun eine neue Therapie zur Heilung derart geschädigter Gefäße entwickelt.

Das Team um Professor Thomas Thum, Dr. Jan Fiedler und Dr. Dorothee Hartmann vom MHH-Institut für Molekulare und Translationale Therapiestrategien brachten bestimmte Ribonukleinsäureketten (MicroRNA-126) über winzige abbaubare Partikel in geschädigte Gefäße ein, heißt es in der Mitteilung. Die Zellen geschädigter Gefäßinnenwände erneuerten sich daraufhin deutlich schneller, das Gefäß konnte wieder repariert werden. Dies bewiesen die Wissenschaftler anhand von Versuchen im Mausmodell sowie an menschlichen Gewebeproben (Circulation 2016; online 25. Oktober).

"Verletzungen der Gefäßinnenwand entstehen unter anderem auch beim Einsetzen von sogenannten Stents, die eigentlich verengte Gefäße weiten sollen", wird Thum in der Mitteilung zitiert. "Unsere neue Therapie könnte helfen, dass sich um die Stents herum die Schutzschicht schneller ausbildet und so Nebenwirkungen wie Thrombenbildung verhindern."

Der Clou der neuen Therapie sind die winzigen Lipid-Nanopartikel, die die MHH-Forscher als Transportmittel nutzen. Sie können ins Blut injiziert werden, lösen sich dann in den Gefäßen auf und geben die mikroRNAs frei. "Dort regulieren die mikroRNAs wichtige Signalwege, die für die Instandhaltung der Gefäßinnenwand wichtig ist", so Fiedler, der sich die Erstautorenschaft mit Hartmann teilt. "Durch das Einbringen der mikroRNAs heilt die innere Schutzschicht schneller wieder." MicroRNAs sind kurze Ribonukleinsäureketten. Sie wirken zumeist auf ein ganzes Netzwerk von Genen und steuern darüber die Entwicklung und Funktion von Zellen, so die MHH. (eb)

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