Ärzte Zeitung online, 13.10.2017

IPP-Studie

Bewegung auf Rezept und App motivieren zu mehr Sport

Keine Frage: Sport wirkt lebensverlängernd. Bewegung auf Rezept kann motivierend unterstützen. Auch der Einsatz von tragbaren Devices wie Schrittzählern und Apps bewähren sich.

Bewegung auf Rezept und App motivieren zu mehr Sport

Regelmäßige Bewegung ist gesund: Die Mechanismen, über die Sport seine Wirkungen ausübt, sind komplex und vielfältig.

© Patrizia Tilly / Fotolia

BERLIN. Bereits frühe epidemiologische Studien zeigten, dass zunehmende körperliche Aktivität, zum Beispiel bei Absolventen der Harvard University, mit einer niedrigeren Mortalität verbunden war – und das auch nach der statistischen Berücksichtigung von zusätzlichen Faktoren, wie Rauchen oder Diabetes, erinnert die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in einer Mitteilung aus Anlass der Herztage 2017 in Berlin.

Die Mechanismen, über die Sport seine Wirkungen ausübt, sind komplex und vielfältig. Eine zentrale Rolle bei der Funktion des Endothels spielt die Bioverfügbarkeit von Stickstoffmonoxid (NO). Durch körperliches Training wird die NO-Verfügbarkeit gesteigert. Es kommt zusätzlich zur Reduktion freier Radikale, die ansonsten NO abbauen würden. "Diese Mechanismen bewirken eine bessere Endothelfunktion", wird Professor Harm Wienbergen vom Bremer Institut für Herz- und Kreislaufforschung (BIHKF) am Klinikum Links der Weser in der Mitteilung zitiert.

Eine eingeschränkte Endothelfunktion erhöht das kardiovaskuläre Risiko, das konnte in mehreren Studien dokumentiert werden. Und dass Training etwa bei Patienten nach Herzkatheter-Interventionen Prognose und Lebensqualität verbessert, konnte ebenso gezeigt werden. Mittlerweile ist es auch gelungen, direkte Effekte von Sport auf die Durchblutung des Herzmuskels nachzuweisen. Wienbergen: "Ein weiterer positiver Mechanismus von Sport bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit ist die Verbesserung der Funktion von Kollateralen. Das konnten im letzten Jahr Dr. Möbius-Winkler und Mitarbeiter in der EXCITE-Studie zeigen. Wir haben also eine Vielzahl von Daten, die uns zeigen, dass Sport positive Effekte bezüglich kardiovaskulärer Erkrankungen hat."

Welcher Sport und wie viel Sport wäre in Sachen Herzgesundheit zu empfehlen? Die Leitlinien empfehlen für Gesunde mindestens 150 Minuten pro Woche Training moderater Intensität oder 75 Minuten pro Woche Training hoher Intensität. Zur Unterscheidung von moderater und hoher Intensität empfiehlt Wienbergen den "Talk Test": Training hoher Intensität bedeutet schwere Atmung, eine Konversation ist so nicht mehr möglich.

Ob die Effekte von Sport in sehr hohen Intensitäten mit moderatem Training vergleichbar sind, ist unter kardiologischen Aspekten ein kontroverses Thema. Wienbergen weist auf Studien hin, die die günstigen Effekte von Sport bei sehr hoher Intensität nur abgeschwächt oder gar nicht mehr zeigen. Allerdings zeigen nicht alle Studien übereinstimmend dieses Ergebnis. Wienbergen: "Es handelt sich um Beobachtungsstudien mit möglichen Selektionseffekten, insofern ist die Datenlage hierzu noch unklar."Für die Mehrheit der Bevölkerung gelte aber, dass zu wenig Sport getrieben wird. Wienbergen: "Um der zunehmenden körperlichen Inaktivität in der Bevölkerung entgegen zu wirken, sind Methoden zur Motivation wichtig. Dazu gehört nicht zuletzt eine Optimierung der Kommunikation, etwa das Rezept für Bewegung. Auch der Einsatz von tragbaren Devices wie Schrittzählern und Apps sowie die Implementierung langfristiger Präventionsprogramme bewähren sich".

Aktuell wurde zu diesem Thema die IPP-Studie abgeschlossen(Intensives Präventions-Programm nach akutem Myokardinfarkt in Nordwest-Deutschland), die zeigen konnte, dass ein langfristiges Präventionsprogramm mit Telemedizin/Schrittzählern und regelmäßigen Patientenfortbildungen die körperliche Aktivität von Herzpatienten im Vergleich zur Standardversorgung deutlich steigern kann. "Durch wiederholte persönliche Schulungen und den Einsatz der Schrittzähler konnten die Patienten motiviert werden, deutlich aktiver zu sein als die Kontroll-Patienten," fasst Wienbergen die Ergebnisse zusammen. "Die Studie zeigt somit, dass die Möglichkeiten der Prävention von körperlicher Inaktivität in der Bevölkerung bei weitem nicht ausgeschöpft sind und weiter gesteigert werden sollten."(eb)

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