Direkt zum Inhaltsbereich

IPP-Studie

Bewegung auf Rezept und App motivieren zu mehr Sport

Keine Frage: Sport wirkt lebensverlängernd. Bewegung auf Rezept kann motivierend unterstützen. Auch der Einsatz von tragbaren Devices wie Schrittzählern und Apps bewähren sich.

Veröffentlicht:
Regelmäßige Bewegung ist gesund: Die Mechanismen, über die Sport seine Wirkungen ausübt, sind komplex und vielfältig.

Regelmäßige Bewegung ist gesund: Die Mechanismen, über die Sport seine Wirkungen ausübt, sind komplex und vielfältig.

© Patrizia Tilly / Fotolia

BERLIN. Bereits frühe epidemiologische Studien zeigten, dass zunehmende körperliche Aktivität, zum Beispiel bei Absolventen der Harvard University, mit einer niedrigeren Mortalität verbunden war – und das auch nach der statistischen Berücksichtigung von zusätzlichen Faktoren, wie Rauchen oder Diabetes, erinnert die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in einer Mitteilung aus Anlass der Herztage 2017 in Berlin.

Die Mechanismen, über die Sport seine Wirkungen ausübt, sind komplex und vielfältig. Eine zentrale Rolle bei der Funktion des Endothels spielt die Bioverfügbarkeit von Stickstoffmonoxid (NO). Durch körperliches Training wird die NO-Verfügbarkeit gesteigert. Es kommt zusätzlich zur Reduktion freier Radikale, die ansonsten NO abbauen würden. "Diese Mechanismen bewirken eine bessere Endothelfunktion", wird Professor Harm Wienbergen vom Bremer Institut für Herz- und Kreislaufforschung (BIHKF) am Klinikum Links der Weser in der Mitteilung zitiert.

Eine eingeschränkte Endothelfunktion erhöht das kardiovaskuläre Risiko, das konnte in mehreren Studien dokumentiert werden. Und dass Training etwa bei Patienten nach Herzkatheter-Interventionen Prognose und Lebensqualität verbessert, konnte ebenso gezeigt werden. Mittlerweile ist es auch gelungen, direkte Effekte von Sport auf die Durchblutung des Herzmuskels nachzuweisen. Wienbergen: "Ein weiterer positiver Mechanismus von Sport bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit ist die Verbesserung der Funktion von Kollateralen. Das konnten im letzten Jahr Dr. Möbius-Winkler und Mitarbeiter in der EXCITE-Studie zeigen. Wir haben also eine Vielzahl von Daten, die uns zeigen, dass Sport positive Effekte bezüglich kardiovaskulärer Erkrankungen hat."

Welcher Sport und wie viel Sport wäre in Sachen Herzgesundheit zu empfehlen? Die Leitlinien empfehlen für Gesunde mindestens 150 Minuten pro Woche Training moderater Intensität oder 75 Minuten pro Woche Training hoher Intensität. Zur Unterscheidung von moderater und hoher Intensität empfiehlt Wienbergen den "Talk Test": Training hoher Intensität bedeutet schwere Atmung, eine Konversation ist so nicht mehr möglich.

Ob die Effekte von Sport in sehr hohen Intensitäten mit moderatem Training vergleichbar sind, ist unter kardiologischen Aspekten ein kontroverses Thema. Wienbergen weist auf Studien hin, die die günstigen Effekte von Sport bei sehr hoher Intensität nur abgeschwächt oder gar nicht mehr zeigen. Allerdings zeigen nicht alle Studien übereinstimmend dieses Ergebnis. Wienbergen: "Es handelt sich um Beobachtungsstudien mit möglichen Selektionseffekten, insofern ist die Datenlage hierzu noch unklar."Für die Mehrheit der Bevölkerung gelte aber, dass zu wenig Sport getrieben wird. Wienbergen: "Um der zunehmenden körperlichen Inaktivität in der Bevölkerung entgegen zu wirken, sind Methoden zur Motivation wichtig. Dazu gehört nicht zuletzt eine Optimierung der Kommunikation, etwa das Rezept für Bewegung. Auch der Einsatz von tragbaren Devices wie Schrittzählern und Apps sowie die Implementierung langfristiger Präventionsprogramme bewähren sich".

Aktuell wurde zu diesem Thema die IPP-Studie abgeschlossen(Intensives Präventions-Programm nach akutem Myokardinfarkt in Nordwest-Deutschland), die zeigen konnte, dass ein langfristiges Präventionsprogramm mit Telemedizin/Schrittzählern und regelmäßigen Patientenfortbildungen die körperliche Aktivität von Herzpatienten im Vergleich zur Standardversorgung deutlich steigern kann. "Durch wiederholte persönliche Schulungen und den Einsatz der Schrittzähler konnten die Patienten motiviert werden, deutlich aktiver zu sein als die Kontroll-Patienten," fasst Wienbergen die Ergebnisse zusammen. "Die Studie zeigt somit, dass die Möglichkeiten der Prävention von körperlicher Inaktivität in der Bevölkerung bei weitem nicht ausgeschöpft sind und weiter gesteigert werden sollten."(eb)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

POET-II-Studie

Antibiotika bei infektiöser Endokarditis: Weniger kann reichen

Das könnte Sie auch interessieren
Geldschein, teilweise bedeckt von Stethoskop

© photocrew / stock.adobe.com

Kostenstrukturanalyse

Privatanteil an den Einnahmen geht leicht zurück

Logo VasioCore

© InMediq

inmediQ

VasioCore: Patientenspezifischer Cardiovascular Twin

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Logo Cardisio

© Lilly

Lilly

Adipositassprechstunde systematisch umsetzen

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Vom Warnsignal zur RNAi-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

© Rasi / stock.adobe.com

Chronische Herzinsuffizienz

HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

© CLIPAREA.com / stock.adobe.com

Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie

ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Auf einer Waage befindet sich ein Apfel sowie ein Maßband, daneben lieben Hanteln und ein grüner Blattsalat

© Davizro Photography / stock.adobe.com

Early-onset-Diabetes

Jeder zweite junge Erwachsene erreicht Diabetesremission

 erschöpfter Malermeister

© Adobe Firefly / Andrea Schudok / generated by AI

Kasuistik

Schwindel und Leistungsknick: Was sehen Sie im EKG?

Ältere Frau sitzt auf dem Boden und hält sich den Kopf.

© LIGHTFIELD STUDIOS / stock.adobe.com

Stürze vermeiden!

Synkopen wegen Blutdruck-Schwankungen: Worauf es dann ankommt