Ärzte Zeitung online, 09.03.2018

Studie

24-Stunden-Blutdruck verrät das Risiko für Vorhofflimmern

Das Risiko, langfristig ein Vorhofflimmern zu entwickeln, korreliert enger mit dem 24-Stunden-Blutdruck als mit einer Einmalmessung. Besonders aussagekräftig ist die systolische Blutdrucklast am Tage, so eine Studie.

Von Beate Schuhmacher

24-Stunden-Blutdruck verrät das Risiko für Vorhofflimmern

Hoher systolischer Druck am Tage ist riskant für den Herzrhythmus.

© stanislave / iStock

PADUA. Bluthochdruck gehört zu den wichtigsten Risikofaktoren für Vorhofflimmern: Theoretisch lässt sich mehr als ein Fünftel der Fälle damit erklären. Um die langzeitigen Auswirkungen des Blutdrucks in dieser Hinsicht abschätzen zu können, sollte man sich laut einer Studie in "Heart" (2018; online 9. Februar) jedoch vor allem auf den systolischen 24-Stunden-Blutdruck (ABP, ambulatory blood pressure verlassen.

Studienteilnehmer, bei denen rund 40 Prozent der systolischen Tageswerte über 135 mmHg lagen, hatten ein um fast 50 Prozent höheres Risiko für ein späteres Vorhofflimmern als die Durchschnittsbevölkerung.

Nahezu 4000 Teilnehmer

In der Studie wurden 3956 Erwachsene, die aus der Allgemeinbevölkerung von vier europäischen Ländern und Russland zufällig ausgewählt wurden, über einen Zeitraum von 14 Jahren nachbeobachtet. Von den anfangs im Mittel 43 Jahre alten Teilnehmern – davon 15 Prozent mit behandelter, 8 Prozent mit unbehandelter, 9 Prozent mit maskierter und 6 Prozent mit Weißkittel-Hypertonie – entwickelten 143 ein Vorhofflimmern; von den 2776 Personen, bei denen eine ABP gemacht worden war, waren 111 betroffen.

Erwartungsgemäß erwiesen sich höheres Alter, Übergewicht, kardiovaskuläre Begleiterkrankungen und männliches Geschlecht als unabhängige Risikofaktoren für die Rhythmusstörung. Darüber hinaus war auch der systolische ABP ein signifikanter Prädiktor: Ein Anstieg des mittleren Wertes um eine Standardabweichung (17,1 mmHg) ging mit einer Zunahme des Vorhofflimmernrisikos um 27 Prozent einher.

Bei den am Tag bzw. in der Nacht ermittelten Werten schlug sich ein Plus von einer Standardabweichung (12,1 bzw. 12,3 mmHg) in einem relativen Risikozuwachs von 22 Prozent bzw. 20 Prozent nieder. Der von einem Untersucher zu Hause am sitzenden Probanden bestimmte Wert – Mittelwert aus fünf aufeinanderfolgenden Messungen – war dagegen nur mit einem grenzwertig signifikanten Risikoanstieg (+19 Prozent ) verbunden.

Besser wiederholte Messung

Als Maß für das Vorhofflimmernrisiko erwies sich auch die systolische Blutdrucklast am Tage, sie war definiert als Anteil der systolischen Werte in der ABP > 135 mmHg. In dem Quartil von Teilnehmern mit dem niedrigsten Anteil (< 3 Prozent) blieb das langzeitige Flimmerrisiko um 51 Prozent unter dem Durchschnitt, in dem Quartil mit dem höchsten Anteil (> 38 Prozent) lag es um 46 Prozent darüber.

In dem oberen Quartil des konventionell ermittelten systolischen Drucks betrug der Risikozuwachs 37 Prozent .

Die Studie verdeutliche ein weiteres Mal, wie wichtig es sei, "die Blutdrucklast mit wiederholten Blutdruckmessungen zu erfassen", so die Studienautoren des European Project on Genes in Hypertension um Valérie Tikhonoff von der Universität Padua. Sie schlagen vor, zur Stratifizierung des Vorhofflimmernrisikos von Bluthochdruckpatienten routinemäßig von der ABP-Messung auszugehen.

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