Ärzte Zeitung online, 04.02.2019

Sportlich Aktive

Koronarkalk wohl kein Grund zur Sorge

Bei sportlich sehr aktiven Menschen wie etwa Marathonläufern bildet sich meist mehr Kalk in den Koronargefäßen. Das hat jedoch keinen Einfluss auf ihr Sterblichkeitsrisiko, ergab eine neue Beobachtungsstudie.

Von Joana Schmidt

Koronarkalk wohl kein Grund zur Sorge

Kann sich sehr hohe körperliche Aktivität gesundheitlich negativ auswirken?

© michaelheim / stock.adobe.com (Symbolbild)

DALLAS. Bisherige Untersuchungen haben ergeben, dass zu wenig körperliche Bewegung zu schlechter kardiorespiratorischer Fitness führt und deshalb eines der aktuell größten Gesundheitsrisiken darstellt.

Kann sich aber umgekehrt auch sehr hohe körperliche Aktivität gesundheitlich negativ auswirken? Unter diesem Aspekt untersuchte ein Forscherteam um Dr. Benjamin D. Levine von der Uni Texas in Dallas 21.758 Männer (Durchschnittsalter 52) bezüglich ihres Sterberisikos in einer Beobachtungsstudie über zehn Jahre (JAMA Cardiology 2019, online 30. Januar).

Kalkgehalt mit Kardio-CT ermittelt

Metabolisches Äquivalent

Das Metabolische Äquivalent (metabolic equivalent of task; MET) wird verwendet, um den Energieverbrauch verschiedener Aktivitäten zu vergleichen. Es ist die Beschreibung des Stoffwechselumsatzes eines Menschen bezogen auf den Ruheumsatz im Verhältnis zu seinem Körpergewicht.

Die an der Studie teilnehmenden Männer mussten angeben, wie sportlich aktiv sie waren. Als hohe körperliche Aktivität galt mehr als 3000 MET (Metabolisches Äquivalent), das entspricht etwa 250 bis 300 Minuten joggen pro Woche.

Diese Gruppe wurde mit Männern verglichen, die weniger als 1500 MET erreichten. Mithilfe der Kardio-CT wurde der Kalkgehalt in ihren Koronargefäßen gemessen, um das Ausmaß von Atherosklerose zu bestimmen.

Diejenigen, die besonders sportlich aktiv waren, hatten einen deutlich erhöhten Koronarkalkgehalt, was die Ergebnisse der bisherigen Forschung bestätigte. Trotzdem war ihre Gesamt- und kardiovaskuläre Mortalität nicht höher als bei den weniger Aktiven. Die aktivsten Teilnehmer hatten, unabhängig vom Koronarkalk, das niedrigste Sterberisiko.

Eine methodische Limitierung der Studie war, dass die Daten von relativ gesunden Probanden stammten, bei denen die Rate von kardiovaskulären Ereignissen vergleichsweise niedrig war. Zudem war die Gruppe mit hohem Koronarkalkgehalt und viel körperlicher Aktivität relativ klein (n = 432).

Koronarkalkgehalt messen!

Sportlich sehr aktive Menschen sollten trotzdem ihren Koronarkalkgehalt messen lassen, da er gemeinsam mit der kardiovaskulären Fitness ein wichtiger Faktor ist, um Gesundheitsrisiken abschätzen zu können und gegebenenfalls präventive Maßnahmen zu ergreifen, empfiehlt eine Autorengruppe um Dr. Carl J. Lavie aus New Orleans in einem Begleitkommentar.

Für die meisten Sportler bedeuten die Studienergebnisse aber, dass sie trotz eines erhöhten Koronarkalkgehalts ihr Training weiterhin intensiv betreiben können, ohne ihre Gesundheit zu gefährden.

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