Ärzte Zeitung online, 18.09.2019

Kommentar zur Woche der Wiederbelebung

Reanimation ist Handarbeit

Zu wenige Deutsche trauen sich, im Notfall eine rettende Herzdruckmassage zu übernehmen. Die europäischen Nachbarn machen vor, wie mehr erreichbar wäre.

Von Ruth Ney

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Schreiben Sie der Autorin: ruth.ney@springer.com

Helden sind rar. Das ist in Deutschland leider auch beim Thema Erste Hilfe bei Herz-Kreislauf-Stillstand der Fall. Vergleicht man die Zahl der Helfer, die die oft rettende Herzdruckmassage aktiv anwenden, mit der unserer europäischen Nachbarn, macht das nachdenklich.

Was machen die skandinavischen Länder besser, dass sie auf eine Quote von zum Teil über 70 Prozent kommen, während sie in Deutschland nur langsam steigt und mit knapp 40 Prozent nach wie vor EU-weit im hinteren Drittel dümpelt? Antwort: Sie fangen früh und konsequent an. In Dänemark etwa wurde die Reanimation bereits 2005 flächendeckend in den Schulunterricht integriert, hierzulande blieb es bei einer Empfehlung der Kultusministerkonferenz (2014), die nur punktuell umgesetzt wird.

Dabei ist Reanimation Handarbeit. Früh geübt, sitzen die Griffe wie beim Fahrradfahren und sinkt die Hemmschwelle im Notfall. Den Erfolg ihrer landesweiten Initiative haben die Dänen wissenschaftlich belegt: Zwischen 2001 und 2010 hat sich die Zahl der Laienreanimationen dort mehr als verdoppelt. Die Zahl der Patienten, die das Krankenhaus lebend erreichten sogar verdreifacht, ebenso die 30-Tage-Überlebensrate. Also, worauf warten? Auch hier sollte gelten: Yes, we can!

Lesen Sie dazu auch:
Bundesweite Aktion: Laienreanimation wird wiederbelebt

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