Forschung und Praxis, 30.01.2006

Neue Leitlinien helfen bei der individuellen Therapie

Höhe des kardiovaskulären Risikos muß berücksichtigt werden

"Leitfaden 2006" heißen die neuen Leitlinien der Hochdruckliga. Diese Leitlinien sind an die der europäischen Fachgesellschaften angelehnt. Bei der Therapie werden wie bisher fünf Substanzgruppen gleichberechtigt empfohlen. Wichtig ist es, bei jedem Patienten anhand von einem Schema das kardiovaskuläre Gesamtrisiko einzuschätzen. Denn dieses Gesamtrisiko muß bei der Therapie berücksichtigt werden.

Prof. Hermann Haller aus Hannover: Die neuen Leitlinien sind mit den europäischen Fachgesellschaften abgestimmt. Foto: sbra

Die Hochdruckliga hat zum Jahreskongreß in Berlin ihre neuen Hypertonie-Leitlinien als "Leitfaden 2006" vorgestellt. Sie enthalten evidenzbasierte Behandlungs-Empfehlungen, die Ärzte bei ihren Entscheidungen für eine individuelle Therapie unterstützen sollen.

Die Leitlinien sind mit den anderen europäischen Hypertoniegesellschaften abgestimmt, betont Professor Hermann Haller von der Medizinischen Hochschule Hannover, der neuer Vorsitzender der Hochdruckliga ist.

Als allgemeiner Zielwert wird weiter 140 / 90 mmHg empfohlen. Der Bereich zwischen 130 und 139 mmHg sowie zwischen 85 und 89 mmHg wird allerdings bereits als hochnormal bezeichnet.

Für die Therapie empfiehlt der Leitfaden wie bisher fünf Substanzgruppen zur initialen Monotherapie: Diuretikum, Betablocker, ACE-Hemmer, AT1-Blocker und Kalziumantagonisten.

Gleichberechtigte Alternative ist für den Therapiebeginn eine niedrigdosierte Zweierkombination mit Diuretikum plus ACE-Hemmer oder Diuretikum plus Betablocker.

So wird das kardiovaskuläre Risiko bei Hypertonikern bestimmt
 
Blutdruck (mmHg)

Normal
120-129/80-84
Hochnormal
130-139/85-89
Hypertonie 1
140-159/90-99
Hypertonie 2
160-179/100-109
Hypertonie 3
≥180/≥110

Keine Risikofaktoren

Durchschnittl.

Durchschnittl.

leicht erhöht

mäßig erhöht

hoch

1-2 Risikofaktoren

leicht erhöht

leicht erhöht

mäßig erhöht

mäßig erhöht

sehr hoch

3 oder mehr Risikofaktoren, Diabetes mellitus oder Organschaden

mäßig erhöht

erhöht

hoch

hoch

sehr hoch

Begleitkrankheit

hoch sehr hoch sehr hoch

sehr hoch

sehr hoch

Wahrscheinlichkeit einer kardiovaskulären Erkrankung innerhalb von 10 Jahren (kalkuliert nach dem Framingham-Risiko.Kalkulator)

< 15% 15-20%

20-30%

> 30%

Risiko für kardiovaskulären Tod pro 10 Jahre (SCORE) < 4% 4-5% 5-8% > 8%
Risikofaktoren: Alter (Männer > 55 Jahre, Frauen > 65 Jahre), Blutdruckhöhe, Rauchen, Dyslipidämie, positive Familienanamnese, Bauchumfang Männer ≥102 cm, Frauen ≥88 cm.
Organschäden: Linksherzhypertrophie, Plaque oder Intima-Media-Verdickung, Kreatininerhöhung, Mikroalbuminurie.
Begleiterkrankungen: Diabetes mellitus, zerebrovaskuläre Ereignisse (Schlaganfall, TIA), kardiale Ereignisse (Myokardinfarkt, Angina, Revaskularisierung, Herzinsuffizienz), Nierenerkrankungen (diabetische Nephropathie, Niereninsuffizienz), pAVK, Retinopathie.
Quelle: Hochdruckliga, Grafik: Forschung und Praxis / Ärzte Zeitung
In den neuen Leitlinien wird ausführlich auf das Gesamtrisiko der Patienten eingegangen.

Wichtig ist immer, bei einem Hypertoniker das kardiovaskuläre Risiko einzuschätzen. Denn es muß bei der Entscheidung berücksichtigt werden, wie streng der Blutdruck einzustellen ist. Die Leitlinien enthalten ein Schema, mit dem das kardiovaskuläre Risiko eines Hypertonikers über Risikofaktoren und Begleiterkrankungen bestimmt wird. (Rö)

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