Ärzte Zeitung, 05.09.2007

Aliskiren: neue Option für Hypertoniker

Der Wirkstoff ist das erste neue Antihypertensivum seit zehn Jahren / Effekt auch bei Herzinsuffizienz erwartet

WIEN (Rö). Mit dem direkten Renin-Hemmer Aliskiren (Rasilez®) gibt es ab heute bei Hypertonie eine zusätzliche Möglichkeit, den Blutdruck zu senken. Zugelassen ist das neuartige Antihypertensivum, das erste seit zehn Jahren, zur Mono- und zur Kombitherapie. Zudem ist der Wirkstoff vielversprechend für Patienten mit Herzinsuffizienz.

So wirkt der direkte Reninhemmer
Aliskiren senkt einen erhöhten Blutdruck, indem es direkt die Umwandlung von Renin in Angiotensin I hemmt.

In der Monotherapie senkt Aliskiren in einer Dosis von mindestens 300 mg den Blutdruck im gleichen Ausmaß wie Irbesartan. Erwartet werden kann eine Senkung um 16  mmHg systolisch und 12 mm Hg diastolisch. Im Vergleich zu Hydrochlorothiazid jedoch ist mit dem Renin-Hemmer eine stärkere Blutdrucksenkung gelungen.

Diese wesentlichen Daten hat Professor Roland Schmieder von der Universitätsklinik Erlangen beim Europäischen Kardiologen-Kongress zusammengefasst. In weiteren Studien zur Kombitherapie hat der Wirkstoff eine additive Blutdrucksenkung bewirkt: in Kombination mit ACE-Hemmern, mit Angiotensin-II-Rezeptorblockern, mit Calcium-Antagonisten und auch mit Hydrochlorothiazid.

Dies sind auch die Wirkstoffe, mit denen er die neue Substanz bevorzugt zur Kombitherapie einsetzen würde, so der Nephrologe bei einer Veranstaltung des Unternehmens Novartis. Einen weiteren Vorteil der Substanz sieht er darin, dass sie kaum unerwünschte Wirkungen hat. "Wir haben damit nach der Einführung der Angiotensin-II-Antagonisten wieder ein Antihypertensivum, das nicht mehr unerwünschte Wirkungen hat als Placebo", betonte Schmieder.

Vorteilhaft ist auch die lange Wirksamkeit der Substanz, wodurch die Patienten auch mal ein Tag ohne Einnahme verkraften. Und selbst wenn über Tage bis Wochen keine Einnahme erfolgt, steigt der Blutdruck nicht gleich auf den Ausgangswert.

Offenbar wirkt Aliskiren, wie bereits kurz berichtet, auch günstig bei Herzinsuffizienz. Nach Daten einer Pilotstudie, die erstmals beim Kongress präsentiert worden sind, wird bei Patienten mit Herzinsuffizienz durch Aliskiren zusätzlich zur Standardtherapie die Konzentration des Brain Natriuretischen Peptids (BNP) reduziert, das direkt mit der Prognose der Patienten assoziiert ist.

Zu der Frage, ob Aliskiren bei Hypertonikern organprotektiv wirkt, soll es bald Daten geben. Noch in diesem Jahr sollen die Ergebnisse der AVOID-Studie zum Nierenschutz vorliegen. Im nächsten Frühjahr soll dann die ALLAY-Studie vorliegen zum Thema, wie die Substanz die Linksherzhypertrophie beeinflusst.

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