Ärzte Zeitung, 01.03.2011

Kommentar

Plansoll à la DDR bringt gar nichts

Von Michael Hubert

Bessere Versorgung von Patienten und höhere Arzteinkommen - das ist das Ziel der qualitätsorientierten Vergütung. Das größte dieser Programme wurde 2004 in Großbritannien für Hypertoniker gestartet. Es hat aber nur die Hälfte des erwarteten Ertrags gebracht: Die Arzteinkommen sind gestiegen, die Versorgung blieb unverändert, hat eine Studie ergeben.

Der Grund: Die Ziele lagen offenbar nur wenig über dem, was die britischen Kollegen sowieso bei ihren Patienten erreicht hatten. Ein Mehraufwand, eine bessere Versorgung war gar nicht nötig, um ein Mehreinkommen zu erzielen. Das erinnert an die Planvorgaben in der DDR. Das Plansoll wurde so niedrig angesetzt, dass es regelhaft übererfüllt werden konnte, ohne große Anstrengung. So wurden "Helden der Arbeit" geboren.

Im zigmilliardenteuren Gesundheitswesen geht es aber nicht um Schein, sondern reales Sein. Für qualitätsorientierte Vergütung muss der Ist-Zustand kritisch analysiert werden und müssen daraus von den Beteiligten ambitionierte, aber realistische Zielvorgaben entwickelt werden. Qualitätsorientierte Vergütung darf dabei nicht als Instrument missbraucht werden, um Honorare einfach nur zu drücken oder sie nur zu erhöhen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Mikroben – Heimliche Heiler

Jede zweite Zelle in und auf uns gehört einer Mikrobe. Durch die erfolgreiche Behandlung mit fäkalen Mikrobiota, etwa bei Autismus, hat die Mikrobiomforschung an Fahrt gewonnen. mehr »

Junge Besucher waren "Verjüngerungskur für DGIM"

Die "Ärzte Zeitung" hat den letzten DGIM-Kongresstag mit der Kamera begleitet. Tagungspräsident Sieber hat uns dabei Rede und Antwort gestanden - und erzählt, was ihn in den Tagen begeistert hat. mehr »

628 Kliniken soll Geld gestrichen werden

Hunderte Krankenhäuser sollen nach einem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses keinen Zuschlag mehr für die Notfallversorgung erhalten. mehr »