Ärzte Zeitung online, 26.09.2013

Deutsche Hochdruckliga

Immer mehr Kinder haben Bluthochdruck

Schon bei Kindern ist ungesunde Lebensweise, etwa mit Übergewicht, häufig mit Bluthochdruck verbunden. Die Deutsche Hochdruckliga mahnt daher verstärkte Blutdruckkontrollen bei Kindern und Jugendlichen an.

HEIDELBERG. Rund 700.000 Kinder in Deutschland haben einen zu hohen Blutdruck, schätzt die Deutsche Hochdruckliga e. V. (DHL®).

Die Fachgesellschaft geht davon aus, dass in den kommenden Jahren immer mehr Kinder davon betroffen sein werden. Die Folge sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Organschäden und langfristig eine verkürzte Lebensdauer.

Insbesondere die Behandlung der Folgekrankheiten treibt die Kosten für das Gesundheitssystem in die Höhe, so die DHL® in einer Mitteilung.

Die Liga hat deshalb jetzt eine Kommission für Hypertonie bei Kindern gegründet. Eltern empfiehlt die Liga, bei Kindern auf gute Ernährung und mehr Bewegung zu achten und regelmäßig den Blutdruck kontrollieren zu lassen.

Jedes fünfte Kind mit Zeichen von Arteriosklerose

"Bisher nahm man an, dass Kinder von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verschont bleiben. Doch aktuelle Untersuchungen zeigen, dass 20 bis 30 Prozent aller 15- bis 20-Jährigen bereits Veränderungen an den Herzkranzgefäßen aufweisen", mahnt Dr. Martin Hulpke-Wette, niedergelassener Kinderkardiologe in Göttingen.

Dies seien erste Anzeichen für eine beginnende Arteriosklerose, die unbehandelt zu Bluthochdruck und sogar Herzinfarkt, Schlaganfall, Nieren- und Gefäßschäden führen kann. Daher sei es wichtig, auch schon bei Kindern den Blutdruck zu messen, insbesondere wenn bereits Familienmitglieder daran erkrankt sind.

Ursache von zu hohem Blutdruck bei Kindern ist häufig Übergewicht. Jedes fünfte Kind und jeder dritte Jugendliche in Deutschland sind übergewichtig, rund acht Prozent sogar adipös.

"In den vergangenen 20 Jahren konnten wir eine regelrechte Übergewichtsepidemie bei Kindern und Jugendlichen beobachten", so Hulpke-Wette. Dies führe, wie bei Erwachsenen auch, zu gesundheitlichen Problemen.

Im Alter ab drei Jahre regelmäßig Blutdruck messen

Aber auch Schlafstörungen oder organische Schäden wie Nieren- und Stoffwechselerkrankungen können Bluthochdruck bei Kindern verursachen. "Eine frühe Diagnose und Therapie beugt Schäden vor.

Daher sollte bei allen Kindern ab drei Jahren regelmäßig der Blutdruck kontrolliert werden", fordert Hulpke-Wette. Hierbei seien jedoch mehrere Messungen oder eine 24-Stunden-Messung notwendig, da Kinder oft mit Stress auf die Untersuchung reagieren.

Bei jungen Menschen steigt der Blutdruck mit dem Alter und der Körpergröße an. "Das erschwert es, eine klare Grenze zwischen normalen und erhöhten Werten zu ziehen, wie es bei Erwachsenen möglich ist", erläutert Professor Hans-Georg Predel vom Vorstand der DHL®.

Um Diagnose und Therapie zu erleichtern, hat die DHL® Grenzwerte festgelegt: für 12-Jährige 125 zu 80 mmHg, für 16-Jährige 135 zu 85 mmHg und für über 18-Jährige 140 zu 90 mmHg.

Auch die Therapie mit Medikamenten ist bei Kindern nicht einfach: "Es gibt bislang weder Studien zur Medikamentenvergabe bei Kindern mit Bluthochdruck, noch sind für diese Patientengruppe Präparate zugelassen", bedauert Predel.

Wenn auch die nicht-medikamentösen Maßnahmen therapeutisch eindeutig im Vordergrund stehen, sei in Einzelfällen eine medikamentöse Therapie, die dann im Wesentlichen auf Erkenntnissen aus der "Erwachsenenforschung" beruht, notwendig, um die Gesundheit des Kindes langfristig zu erhalten.

Mit der Kommission für Hypertonie bei Kindern will die Liga auch ein Zeichen setzen: "Immer mehr Kinder sind von Krankheiten betroffen, die bisher nur im Erwachsenenalter auftraten", so Predel.

"Das kranke Kind heute ist der chronisch kranke und potenziell arbeitsunfähige Erwachsene von morgen. Mit geeigneten Präventionsmaßnahmen und Erkenntnissen aus der Forschung können wir diese für die Betroffenen wie auch für die Gesellschaft gefährliche Entwicklung stoppen. Aber hier ist auch die Politik gefragt, die diese Maßnahmen fördern muss."

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