Ärzte Zeitung online, 13.02.2019

Kommentar

Richtig Blutdruckmessen

Von Beate Schumacher

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Wie sollte in der Praxis am besten der Blutdruck gemessen werden? Seit Publikation von SPRINT wird darüber heftig diskutiert. In der Studie war die automatisierte Office-Blutdruck (AOBP)-Messung genutzt worden.

Die Messwerte sind dabei, vermutlich wegen des fehlenden Weißkitteleffekts, niedriger als bei konventioneller Messung durch den Arzt. Dadurch kamen Fragen auf, wie weit AOBP-Resultate Rückschlüsse auf etablierte Zielwerte zulassen. Experten äußerten zudem die Sorge, der AOBP könne den häuslichen Blutdruck unterschätzen.

Laut einer jetzt veröffentlichten Metaanalyse sind die systolischen AOBP-Werte tatsächlich um etwa 5 mmHg niedriger als die ambulant gemessenen Blutdruck(ABP)-Werte am Tage – aber nur bei Drücken unter 130 mmHg. Im Bereich ab 130 mmHg sind AOBP und Wach-ABP identisch. Mit der üblichen Praxismessung landet man dagegen fast 15 mmHg höher als mit der ABP-Messung und riskiert also viel eher eine Übertherapie.

Damit gibt es gute Gründe für die AOBP-Messung. So gute, dass die kanadische Hypertonie-Leitlinie sie bereits als Methode der Wahl empfiehlt. Der organisatorische Mehraufwand, der oft gegen den AOBP angeführt wird, lässt sich offenbar bewältigen: In Kanada nutzt bereits über die Hälfte der Ärzte die AOBP-Messung. Zumindest die spezialisierten Praxen in Deutschland sollten sich ihnen anschließen.

Lesen Sie dazu auch:
Weißkittelhypertonie: Lasst den Patienten alleine!

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