Ärzte Zeitung, 01.07.2009

Plädoyer für individuelle Zielwerte für das LDL

Bei Atherosklerose raten Experten, sofort mit einer Statin-Therapie zu beginnen.

Von Monika Vogt

FRANKFURT. Es gibt nicht "die eine" lipidsenkende Therapie für alle Patienten. Vielmehr sind bei der Wahl der Therapie viele individuelle Gesichtspunkte zu beachten. Darauf hat Privatdozent Alexander Mann vom Endokrinologikum in Frankfurt am Main hingewiesen. Im Mittel erreichten in Deutschland nur die Hälfte der Patienten mit einer medikamentösen Therapie den empfohlenen Zielwert. Wichtig sei, gezielt individuelle Zielwerte für jeden Patienten festzulegen und zu dokumentieren.

Die Primärprävention beginnt Mann mit einer Ernährungsumstellung. Er empfiehlt Patienten, weniger tierische Fette, Cholesterin, Alkohol und schnell verstoffwechselbare Kohlenhydrate zu sich zu nehmen, sich mehr zu bewegen und eventuell abzunehmen. Wird so das Therapieziel nach 2 bis 3 Monaten nicht erreicht, folgt als nächstes eine zusätzliche medikamentöse Therapie.

Bei Patienten mit bereits bestehender Atherosklerose leitet Mann dagegen in Kombination mit einer Lebensstiländerung sofort eine medikamentöse Therapie ein, die er im Verlauf gegebenenfalls modifiziert.

Den stärksten Effekt auf die Cholesterinspiegel haben Statine, erinnerte Mann. Atorvastatin, Simvastatin und Rosuvastatin senkten das LDL besonders stark. Pravastatin und Fluvastatin hätten das relativ geringste Interaktionspotenzial mit anderen Medikamenten. Insgesamt zeichne sich die Substanzgruppe durch gut belegte Endpunktstudien aus und sei daher bei Hypercholesterinämie die medikamentöse Therapie erster Wahl, sagte er.

Noch immer erreicht nur jeder Zweite seinen LDL-Zielwert.

Da durch Statine das LDL-Cholesterin maximal um 50 bis 60 Prozent gesenkt werde, werde eine Kombitherapie umso eher notwendig, je höher der LDL-Wert und je niedriger der LDL-Zielwert sei. Eine erfolgreiche Primärprävention bei Patienten mit einer reinen Hypercholesterinämie sei meist mit einer Monotherapie möglich, so Mann. Bei der Sekundärprävention reiche bei einem LDL bis ungefähr 200 mg/dl meist ebenfalls ein Statin aus.

Bei sehr niedrigem LDL-Ziel werde oft eine Kombination mit anderen lipidsenkenden Substanzen erforderlich. Eine Kombitherapie werde zudem relativ häufig bei Patienten mit gemischter Hyperlipidämie angewandt, etwa bei Patienten mit Diabetes, wenn mit einer Statinmonotherapie die erforderliche Triglyzeridsenkung und HDL-Erhöhung nicht in ausreichendem Umfang erzielt werde. Bei überwiegenden Hypertriglyzeridämien könnten primär Fibrate eingesetzt werden, alternativ auch Nikotinsäure-Derivate, so Mann.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wenn Einsamkeit krank macht

Ein Alterspsychotherapeut warnt: Ältere Männer sind besonders häufig suizidgefährdet. Einsamkeit ist ein Grund dafür. mehr »

Diabetes-Experten sind besorgt

Schon bald könnten mehr Lebensmittel "schlechten Zucker" enthalten. Für die Industrie wird der Einsatz von Isoglukose profitabler. mehr »

PKV bekennt sich zur Innovationsoffenheit

Wird es mit der neuen GOÄ erschwert, Privatpatienten neue Leistungen anzubieten? Vom PKV-Verband kommt dazu ein klares Dementi. mehr »