Der Sport macht's

Bei KHK ist Bewegung wichtiger als Diät

Patienten mit koronarer Herzkrankheit (KHK) wird üblicherweise geraten, ein gesundes Gewicht zu halten und sich sportlich zu betätigen. Laut Ergebnissen einer Studie ist Sport offenbar viel wichtiger als das Gewicht zu halten.

Dr. Robert BublakVon Dr. Robert Bublak Veröffentlicht:
Dehnübungen: Körperliche Aktivität bei KHK zahlt sich aus, so eine Studie.

Dehnübungen: Körperliche Aktivität bei KHK zahlt sich aus, so eine Studie.

© Robert Kneschke / Fotolia

TRONDHEIM. Sportliche Aktivität hat bei KHK-Patienten im Bezug auf ihr Sterberisiko wohl einen deutlich höheren Einfluss als Gewichtskontrolle. Dr. Trine Moholdt von der Universität Trondheim und Kollegen haben in einer Studie mehr als 3000 Patienten mit KHK einbezogen, die seit 1985 über einen Zeitraum von 30 Jahren nachbeobachtet worden waren.

Abhängig von den Veränderungen im Body-Mass-Index (BMI) und der körperlichen Aktivität der Probanden berechneten die Forscher deren allgemeines und kardiovaskulär bedingtes Sterberisiko. Die Kalkulationen waren nach möglichen Einflussgrößen abgeglichen (J Am Coll Cardiol 2018; 71: 1094–101).

Wöchentliches Sportpensum

Veränderungen des BMI wirkten sich nur für zu Beginn normalgewichtige Probanden signifikant auf die Mortalität aus. So war ein Verlust von mehr als 0,1 BMI-Einheiten pro Jahr mit einem rund 40 Prozent höheren allgemeinen und kardiovaskulären Sterberisiko assoziiert.

Eine BMI-Zunahme in dieser Größenordnung verminderte hingegen das allgemeine Sterberisiko. Auch die kardiovaskulär bedingte Mortalität sank, allerdings war die Reduktion hier nicht signifikant.

Alle diese Assoziationen verschwanden, sobald Todesfälle während der ersten drei Jahre der Nachbeobachtung unberücksichtigt blieben – eine Vorsichtsmaßnahme, um Folgen umgekehrter Kausalität auszuschließen.

Für übergewichtige und adipöse KHK-Patienten waren keinerlei signifikante Zusammenhänge zwischen der Gewichtsentwicklung und der Sterblichkeit festzustellen.

Klare Assoziationen zeigten sich zwischen der körperlichen Aktivität und der Sterblichkeit. Empfohlen wurde ein Pensum von 30 Minuten mäßiger (schweißtreibender) Aktivität fünfmal in der Woche oder von 20 Minuten anstrengender (erschöpfender) Aktivität dreimal in der Woche.

Als inaktiv galt, wer gar nichts tat. Eine niedrige Aktivität wurde jenen bescheinigt, die sich zwar körperlich übten, aber das angeratene Pensum nicht erfüllten. Hoch aktiv waren Probanden, die das empfohlene Niveau erreichten oder übertrafen.

Geringeres Sterberisiko

KHK-Patienten, die während der Nachbeobachtungszeit eine hohe sportliche Aktivität beibehielten, hatten ein um 36 Prozent niedrigeres Sterberisiko als die Probanden, die inaktiv waren und blieben. Auch eine dauerhaft niedrige Aktivität zahlte sich aus, vor allem aber ein Wechsel von inaktiv und niedrig aktiv zu hoch aktiv.

Die Sterblichkeit sank hier um rund 20 Prozent. Gesamt- und kardiovaskuläre Mortalität nahmen eine nahezu parallele Entwicklung, wobei aber eine dauerhaft nur niedrige Aktivität das kardiovaskuläre Risiko nicht zu senken vermochte.

Eingeschränkt wird die Aussagekraft der Studie dadurch, dass die KHK-Diagnosen auf den Eigenauskünften der Patienten beruhten.

Sensitivitätsanalyse zur Kontrolle

Zur Sicherheit rechneten Moholdt und Mitarbeiter deshalb die Assoziationen für jene Patienten, die nach eigenen Angaben einen Herzinfarkt erlitten hatten, noch einmal nach. Dem lag die Vermutung zugrunde, dass Irrtümer seitens der Patienten bei Infarktdiagnosen weniger wahrscheinlich seien.

Wesentliche Unterschiede zu den ursprünglichen Resultaten folgten aus dieser Sensitivitätsanalyse nicht, so das Resümee der norwegischen Wissenschaftler.

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