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Herzschwäche

Defibrillator erübrigt sich dank Defi-Weste

Das längere Tragen einer Defibrillatorweste erspart vielen Patienten die Implantation eines Defibrillators.

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HANNOVER. Jedes Jahr sterben in Deutschland 100.000 bis 150.000 Menschen am plötzlichen Herztod – besonders gefährdet sind Menschen, deren Herz etwa aufgrund eines Herzinfarktes oder einer Herzmuskelentzündung nur noch sehr vermindert pumpt. Patienten mit Herzschwäche bekommen zum Schutz oft einen Defibrillator implantiert. In der Zeit bis zur Implantation werden bei ihnen nach und nach die Arzneien gegen Herzschwäche bis zur vollen Dosis gesteigert.

Zum Schutz vor Herzrhythmusstörungen bekommen sie währenddessen sicherheitshalber eine Defibrillatorweste, die den Herzrhythmus überwacht und die Patienten im Notfall durch einen Elektroschock behandelt. Bei einigen Patienten bessert sich die Pumpfunktion in dieser Zeit so deutlich, dass sie keine Defibrillator-Implantation mehr brauchen, heißt es in einer Mitteilung der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Liegt die Pumpleistung jedoch weiter unter 35 Prozent, wird ihnen die Implantation empfohlen.

Ärzte der MHH haben nun herausgefunden, dass es sinnvoll ist, mit der Implantation eines Defibrillators noch länger zu warten (J Am Heart Assoc. 2017, online 17. Januar): "Wenn man auch nach Ablauf der drei Monate die Medikation weiterhin in optimaler Weise auf den einzelnen Patienten abstimmt, benötigen weniger Patienten die Defibrillator-Implantation. Die Weste muss dabei aber auf jeden Fall weiter getragen werden. Wenn die Pumpleistung dann auf über 35 Prozent angestiegen ist, muss die Weste nicht mehr weiter getragen werden", wird Dr. David Duncker, MHH-Klinik für Kardiologie und Angiologie in der Mitteilung zitiert.

"An unserer Klinik wird die Defibrillatorweste seit einigen Jahren routinemäßig bei Patienten mit neu diagnostizierter Herzschwäche und deutlich reduzierter Pumpfunktion eingesetzt", erläutert Professor Dr. Johann Bauersachs, Direktor der Klinik für Kardiologie. An der Studie nahmen 265 Träger einer Defibrillatorweste teil. Nach drei Monaten hatte sich bei 69 Patienten die Herzfunktion verbessert, die Pumpleistung lag bei mindestens 35 Prozent.

Nach verlängerter Tragezeit und weiterer Optimierung der Medikation stieg bei weiteren 20 Patienten die Pumpleistung auf über 35 Prozent. "Die Implantation eines Defibrillators ließ sich so bei insgesamt einem Drittel der Patienten vermeiden, was insofern gut ist, als dass dieser langfristig auch Komplikationen mit sich bringen kann", wird PD Christian Veltmann, Bereichsleiter der Rhythmologie und Elektrophysiologie der Klinik für Kardiologie, in der Mitteilung der MHH zitiert. Diese Strategie müsse nun durch Studien gesichert werden. Eine solche prospektive, multizentrische Studie haben die MHH-Ärzte initiiert, sie startet in Kürze. (eb)

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