Ärzte Zeitung, 07.04.2005

Carotis-Sinus ist Ursache jeder 5. Synkope im Alter

Ab 40 Jahren wird Carotis-Sinus-Massage zur Synkopen-Diagnostik empfohlen, um Überempfindlichkeiten zu klären

MANNHEIM (gvg). Synkopen als Folge von Herzerkrankungen nehmen mit dem Alter bekanntlich zu. Weniger bekannt ist, daß das auch für den überempfindlichen Carotis-Sinus gilt, der bei älteren Patienten die Ursache für etwa ein Fünftel der Synkopen ist.

"Die Diagnostik bei alten Patienten mit unklaren Synkopen unterscheidet sich prinzipiell nicht von der bei jüngeren Menschen", sagte Privatdozent Christoph Geller aus Bad Berka auf dem Mannheimer Kardiologenkongreß. Was sich unterscheide, sei die Häufigkeit der einzelnen Ursachen.

Außer der genauen kardialen Diagnostik legt Geller bei der Synkopendiagnostik im Alter vor allem Wert auf die Carotis-Sinus-Massage, um einen überempfindlichen Carotis-Sinus nicht zu übersehen. Mit einem Anteil von etwa zwanzig Prozent ist der bei jungen Menschen sehr seltene überempfindliche Carotis-Sinus bei älteren Menschen häufig.

"Jenseits des vierzigsten Lebensjahrs gehört eine Carotis-Sinus-Massage deswegen immer zur Synkopen-Diagnostik dazu", so Geller in Mannheim. Kontraindiziert sei die Untersuchung allerdings bei frischen neurologischen Symptomen und bei einem Strömungsgeräusch über der Arteria carotis interna in der Auskultation.

Die Druckmassage sollte bei den Patienten jeweils einseitig für fünf Sekunden im Liegen und anschließend für zehn Sekunden im Stehen erfolgen. Dabei sollten EKG und Blutdruck kontinuierlich überwacht werden.

"Pathologisch sind eine Asystolie von mindestens drei Sekunden oder ein Blutdruckabfall von fünfzig Millimeter Quecksilber oder mehr", so Geller. Beim kardioinhibitorischen Typ, der bei etwa sieben von zehn Patienten mit überempfindlichem Carotis-Sinus vorliegt, ist eine Therapie durch Schrittmacherimplantation möglich.

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