Ärzte Zeitung, 15.10.2007

"Die pAVK ist zu wichtig, um sie Spezialisten zu überlassen!"

Sowohl Patienten mit als auch ohne Symptome müssen behandelt werden

KÖLN (cin). "Die periphere arterielle Verschlusskrankheit ist zu wichtig, um sie Spezialisten zu überlassen!" Darauf hat Professor Curt Diehm bei der Herbsttagung der Kardiologen in Köln hingewiesen. Da sind vor allem niedergelassene Kollegen gefragt. Denn Patienten mit pAVK sterben im Schnitt zehn Jahre früher als Gesunde.

"Die pAVK ist massiv unterdiagnostiziert, die pAVK ist massiv unterschätzt und Patienten mit pAVK sind massiv unterbehandelt." Darauf wies der Kardiologe vom Klinikum Karlsbad-Langensteinbach nachdrücklich hin. "Wir kennen nur ein Drittel der Patienten, die eine pAVK haben und bekommen somit in Klinik und Praxis nur die Spitze des Eisberges zu sehen". Nach seinen Angaben suchen nur etwa zehn bis 50 Prozent der Patienten mit Claudicatio intermittens einen Arzt auf.

"Die große Gefahr bei pAVK ist, dass die Patienten ohne Schmerzen ein ebenso hohes Sterberisiko haben wie Patienten mit Symptomen", so Diehm. Er verwies auf die aktuellen Fünf-Jahres-Ergebnisse der getABI*-Studie, bei der etwa 7000 über 65-Jährige in Hausarztpraxen untersucht wurden.

Die Studie ergab, dass von den Patienten ohne pAVK nach fünf Jahren neun Prozent gestorben waren. Bei den Patienten mit asymptomatischer pAVK waren es hingegen 19 Prozent, mit symptomatischer Erkrankung 24 Prozent. "Zwischen den beiden pAVK-Gruppen gab es keinen signifikanten Unterschied hinsichtlich der Überlebensraten", sagte Diehm bei dem von Bristol-Myers Squibb organisierten Symposium. Sein Fazit: Beide Gruppen müssen gleich aggressiv behandelt werden.

Doch hat die Studie ergeben, dass viele pAVK-Patienten massiv mit Plättchenhemmern unterversorgt sind. So erhält nur etwa jeder zweite Patient mit pAVK die Thrombozytenfunktionshemmer - bei KHK hingegen sind es drei von vier. Medikament der Wahl ist Clopidogrel (vom Unternehmen als Iscover® angeboten). Bestehen bei den Patienten außerdem Hinweise auf eine KHK, empfiehlt Diehm zusätzlich eine Therapie mit Beta-Blockern.

Diehms Appell an die niedergelassenen Kollegen: "Wenn man bedenkt, dass einer von fünf älteren Patienten eine pAVK hat, davon aber nur einer von zehn symptomatisch ist, wird deutlich, wie wichtig die hausärztliche Diagnostik ist." Eine sehr effektive, genaue und einfache Methode für die Praxis sei die ABI-Messung (Knöchel-Arm-Index). Liegt der Messwert unter 0,9, habe der Patient eine pAVK und müsse therapiert werden.

*getABI bedeutet German epidemiological trial on Ankle Brachial Index

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