Ärzte Zeitung, 27.07.2006

Mit Roboter-Gangtrainer lernen Schlaganfallpatienten zu laufen

Maschinen sollen die motorische Rehabilitation von Schlaganfall-Patienten verbessern

BERLIN (ner). Roboter-ähnliche Maschinen ermöglichen Schlaganfall-Patienten eine intensive Rehabilitation. Zudem ist die Methode weniger zeit- und personalintensiv als klassische Übungstherapien.

Ein Patient nach Schlaganfall im Gangtrainer. Stand- und Schwungbeinphase werden simuliert. Foto: S. Hesse, Klinik Berlin

Deshalb entwickeln Neurologen und Techniker Maschinen, die mit reproduzierbaren und individuell angepaßten aktiven und passiven Bewegungen die Rehabilitation der Arm- und Handfunktion sowie des Gehens ermöglichen ("Nervenheilkunde" 25, 2006, 137).

Die bisherigen Möglichkeiten der Rehabilitation werden damit wesentlich verbessert, so Professor Stefan Hesse von der Charité Berlin und seine Kollegen.

Gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut in Berlin haben die Rehabilitationsmediziner das Gerät "Bi-Manu-Track" entwickelt. Es ermöglicht das bilaterale Üben von Flexion und Extension des Handgelenks sowie von Drehbewegungen des Unterarms. Geschwindigkeit, Amplitude und die zu überwindenden Widerstände können für jeden Arm individuell eingestellt werden. Die Bewegungen erfolgen je nach Wunsch sowohl passiv als auch aktiv mit der jeweils erforderlichen Unterstützung.

Bessere motorische Kontrolle nach sechs Wochen Therapie

In einer Studie mit 24 Patienten ohne jegliche Hand- und Fingeraktivitäten habe die 20minütige Behandlung pro Tag nach drei Wochen Training Spastiken des Handgelenks meßbar verbessert, berichten die Forscher. In einer weiteren Studie mit 44 Schlaganfallpatienten war die Bi-Manu-Track-Behandlung mit EMG-getriggerter Elektrostimulation verglichen worden.

In der Verumgruppe registrierten die Neurologen am Ende der sechswöchigen Therapie: die motorische Kontrolle und Kraft der gelähmten oberen Extremität war signifikant besser als in der Elektrostimulationsgruppe. Der Effekt war noch bei der Nachuntersuchung drei Monate nach Therapie-Ende nachweisbar.

Für die Behandlung zu Hause geeignet sind Geräte wie das "Nudelholz": Es erlaubt Schiebe- und Ziehbewegungen mit den Armen sowie die Rotation der Handgelenke. Der Patient umfaßt mit rechter und linker Hand die Griffe - die gesunde Seite führt die von der Lähmung betroffene. Geübt werden können die drei Bewegungsarten allein oder kombiniert, der Widerstand ist einstellbar.

Bald auch Simulation vom Treppensteigen

Wesentlich komplexer sind die Systeme für die Gangrehabilitation, weil der gesamte Körper bewegt werden muß. Stand- und Schwungbeinphase werden von elektromechanischen Gangtrainern simuliert, ein Motor unterstützt den Patienten.

Auch die fürs Gehen wesentlichen Rumpfbewegungen müssen gesteuert werden. Ganganalysen haben ergeben: Üben nicht gehfähige Patienten täglich vier Wochen mit einem solchen Gerät, sind die Effekte auch mehr als ein halbes Jahr nach dem Schlaganfall stärker als bei Patienten mit üblichen Übungen auf dem Laufband. Künftig sollen mit robotergestützten Maschinen unterschiedliche Laufsituationen, etwa in der Ebene oder auf der Treppe, simuliert werden.

Weitere Infos: http://userpage.fu-berlin.de/~bhesse/

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