Ärzte Zeitung, 22.05.2006

Nutzen von ASS plus Dipyridamol bestätigt

Sekundärprävention nach Schlaganfall / ESPRIT-Studie belegt erneut Überlegenheit im Vergleich zu ASS allein

BRÜSSEL (ob). Die Kombination von Acetylsalicylsäure (ASS) plus Dipyridamol retard ist in der Sekundärprävention des Schlaganfalls signifikant stärker wirksam als eine Monotherapie mit ASS. Den definitiven Beweis dafür liefern jetzt die Ergebnisse der ESPRIT-Studie.

Ihre Daten bestätigen damit Ergebnisse der ESPS-2-Studie. Auch in ESPS-2 wurde die Inzidenz von erneuten Schlaganfällen bei 6600 Patienten mit transitorisch-ischämischen Attacken (TIA) oder Schlaganfall durch die ASS-Dipyridamol-Kombination deutlich stärker gesenkt als durch ASS allein. Da vorangegangene kleinere Studie einen entsprechenden Vorteil nicht dokumentiert hatten, forderten Experten eine weitere Studie zur definitiven Klärung.

    Ereignisrate war 20 Prozent geringer als mit ASS allein.
   

Dieser Forderung sind Forscher in der ESPRIT (European/Australasian Stroke Prevention in Reversible Ischemia Trial)-Studie nachgekommen, deren Ergebnisse Professor Ale Algra jetzt bei der Europäischen Schlaganfall-Konferenz in Brüssel vorgestellt hat. Sie sind zeitgleich im Fachblatt "Lancet" publiziert worden (367, 2006, 1665 ).

An ESPRIT waren 2739 Patienten mit TIA oder kleinem Schlaganfall (minor stroke) beteiligt, die alle mit ASS (30 bis 325 mg pro Tag) behandelt wurden. Davon erhielten 1376 zusätzlich Dipyridamol retard (200 mg zweimal täglich). Primärer Endpunkt war eine Kombination klinischer Ereignisse (vaskulärer Tod, Schlaganfall, Herzinfarkt, Blutungen).

Am Ende der Studie betrug die Rate dieser Ereignisse 16 Prozent (ASS allein) und 13 Prozent (ASS/Dipyridamol). Der Unterschied entspricht einer signifikanten relativen Risikoreduktion um 20 Prozent durch die Kombination. Vor allem wegen Kopfschmerzen brachen mehr Patienten in der Gruppe mit Kombinationstherapie die Behandlung vorzeitig ab.

Auch eine Metaanalyse der vorliegenden Studiendaten einschließlich der ESPRIT-Ergebnisse bestätigt den Vorteil der Kombination (Risikoreduktion: 18 Prozent). In Deutschland wird eine Fixkombination aus 25 mg ASS und 200 mg Dipyridamol (Aggrenox®) von Boehringer Ingelheim angeboten.

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