Ärzte Zeitung, 21.09.2009

Gesunde Hirnhälfte stört Motorik bei Schlaganfall

Gesunde Hirnhälfte stört Motorik bei Schlaganfall

Sebastian Kaulitzki©www.fotolia.de

MÜNCHEN (wst). Motorische Defizite nach einem Schlaganfall sind nicht nur durch Störungen in der geschädigten Hirnhälfte bedingt. Auch die gesunde Hirnhälfte trägt mitunter dazu bei, wenn sie durch fehlende hemmende Signale überaktiv ist. Dagegen wird derzeit die transkranielle Magnetstimulation geprüft.

Hebt ein Gesunder etwa die rechte Hand, ist mittels fMRT eine deutliche Aktivität im linksseitigen motorischen Kortex nachweisbar, dagegen zeigt die kontralaterale Hirnhälfte keine sonderliche Aktivität. Ganz anders ist es dagegen bei Patienten in der Frühphase nach einem Schlaganfall. Beim Versuch, die gelähmte rechte Hand zu heben, präsentieren sich linke und rechte Gehirnhälfte im fMRT gleichermaßen hoch aktiv. Darauf hat Professor Gereon Fink von der Neurologischen Universitätsklinik Köln hingewiesen. Offensichtlich ist die geschädigte linke Hirnhälfte nicht in der Lage, eine physiologische Hemmung des kontralateralen Bewegungszentrums zu gewährleisten, so Fink auf einem Neurophysiologie-Kongress in München.

Die gewollte motorische Ausführung wird dadurch zusätzlich erschwert. Und wahrscheinlich werden auf diese Weise auch dauerhafte Fehlanpassungen motorischer Funktionen begünstigt. An Finks Klinik wird deshalb versucht, per fMRT nachgewiesene Überaktivitäten des motorischen Kortex der gesunden Hirnhälfte per niederfrequenter transkraniellen Magnetstimulation (TMS) zu drosseln. Die noch in der Prüfungsphase befindliche Therapie wird derzeit am vierten Tag nach einem akuten Schlaganfall begonnen und dann drei Wochen lang einmal täglich 10 bis 20 Minuten lang fortgeführt. Zwar hält der beabsichtigte Hemmeffekt akut nicht wesentlich länger an als man tatsächlich stimuliert. Die kurze Zeit kann jedoch von Physiotherapeuten genützt werden, um störungsfreie physiologische Bewegungsabläufe einzuüben.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Verändern schon wenige Joints das Gehirn?

Bei Jugendlichen, die nur ein bis zwei Mal Cannabis geraucht haben, sind Hirnveränderungen entdeckt worden. Diese könnten eine Angststörung oder Sucht begünstigen. mehr »

Bessere TSVG-Regelungen in Sicht?

Die großen Brocken wie die Aufstockung der Mindestsprechstundenzahl will Gesundheitsminister Jens Spahn nicht anfassen. Eine Nummer kleiner können die Ärzte aber wohl mit Änderungen am TSVG rechnen. mehr »

Daran starb Karl der Große

Karl der Große führte Kriege quer über den Kontinent. Sein großes Reich erstreckte sich von der Elbe bis Spanien. Am Ende könnte eine Lungenentzündung den mächtigsten Mann des Mittelalters niedergestreckt haben, mehr »