Schlaganfall

Längeres EKG soll Vorhofflimmern besser erkennen

Menschen ab 80 Jahren leiden viel häufiger an Vorhofflimmern als bisher angenommen. Mit einem 7-Tage-Langzeit-EKG entdeckten Wissenschaftler aus Göttingen drei Mal häufiger Vorhofflimmern als mit einem 24-Stunden-EKG.

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GÖTTINGEN. Wenn das Herz aus dem Rhythmus ist, wird es oft für das Gehirn gefährlich. Die Herzrhythmusstörung "Vorhofflimmern" gilt als der mit Abstand größte Risikofaktor für einen Schlaganfall.

Deshalb möchte man diesen gefährlichen "Vorboten" möglichst früh und verlässlich entdecken. Bei jedem dritten Patienten können die Ärzte bisher jedoch nicht eindeutig den Auslöser der Erkrankung bestimmen, heißt es in einer Mitteilung der Universitätsmedizin Göttingen (UMG).

Um die Zusammenhänge beider Erkrankungen besser zu verstehen, haben UMG-Forscher nach der ersten Auswertung der Schlaganfallstudie "Find-AF" (finding atrial fibrillation) der UMG im Jahr 2010 jetzt eine zweite, genauere Analyse der Daten vorgenommen.

Die Forscher der Kliniken für Kardiologie und Pneumologie sowie Neurologie konnten die bisherigen Ergebnisse bestätigen und deutlich konkretisieren.

Die erneute Auswertung ergab, dass Patienten mit vorübergehendem Vorhofflimmern ähnliche klinische Eigenschaften und vergleichbar schwere Schlaganfälle haben wie Patienten mit permanentem Vorhofflimmern.

Weiterhin fanden die Mediziner heraus, dass die Wahrscheinlichkeit von vorübergehendem Vorhofflimmern mit dem Alter deutlich ansteigt. Bei Patienten unter 60 Jahren konnte Vorhofflimmern nur mit Hilfe eines 7-Tage-Langzeit-EKG, zusätzlich zur üblichen Herzrhythmusüberwachung, festgestellt werden.

Die Wissenschaftler können mit diesem Wissen nun genauer bestimmen, bei welchen Altersgruppen ein umfassenderes Langzeit-EKG sinnvoll ist: Ältere Schlaganfall-Patienten profitieren deutlich mehr von einer intensivierten Herzrhythmusüberwachung als Jüngere.

Indem die Langzeit-EKG-Aufzeichnung von 24 Stunden auf sieben Tage verlängert wurde, ist die Rate an neu entdecktem Vorhofflimmern fast drei Mal so hoch (J Neurol 2013; 260: 2042-2045).

Rate an Vorhofflimmern steigt mit dem Alter fast linear an

Bei der umfangreicheren zweiten Auswertung der Daten bildeten die Forscher unterschiedliche Altersgruppen: Patienten unter 60 Jahren, fünf Gruppen in fünf Jahresschritten von 60 bis 84 Jahren sowie Patienten über 85 Jahren. Anschließend wurde für diese Gruppen der Prozentsatz der Patienten ermittelt, bei denen ohne 7-Tages-Langzeit-EKG kein Vorhofflimmern erkannt worden wäre.

"Die Rate an Vorhofflimmern steigt mit dem Alter fast linear an. Das gilt sowohl für das vorübergehende wie auch für das anhaltende Vorhofflimmern", wird Priv.-Doz. Dr. Rolf Wachter, Leiter der Studie und Oberarzt der Klinik für Kardiologie und Pneumologie der UMG in der Mitteilung zitiert.

"Bei Patienten unter 60 Jahren musste man 20 Langzeit-EKGs über sieben Tage machen, um einen Patienten mit Vorhofflimmern zu finden. Bei Patienten über 80 Jahren hat jeder vierte untersuchte Patient unentdecktes Vorhofflimmern, bei über 85-Jährigen sogar mehr als jeder dritte Patient."

"Dass Vorhofflimmern bei älteren Patienten eine größere Rolle spielt, als bei jüngeren, wusste man bereits. Aber dass über die Hälfte der Schlaganfall-Patienten über 80 Jahren an Vorhofflimmern leidet, ist ein neuer Befund und war in diesem Ausmaß bisher nicht bekannt", so Dr.

Jan Liman, Oberarzt der Schlaganfallstation ("stroke unit") der Klinik für Neurologie der UMG.

"Die Ergebnisse sind ein wichtiger Hinweis darauf, dass wir bei ärztlichen Entscheidungen zu Diagnostik und Therapie das Alter der Patienten viel mehr berücksichtigen müssen", ergänzte Professor Gerd Hasenfuß, Direktor der Klinik für Kardiologie und Pneumologie und Vorsitzender des Herzzentrums der UMG. (eb)

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