Ärzte Zeitung, 03.03.2005

Venenschutz mit Melagatran sollte kurz nach Op starten

Beginn vier bis acht Stunden postoperativ empfohlen

MANNHEIM (ner). Wann sollte nach einer Operation die Thromboembolie-Prophylaxe beginnen? Dazu gibt es verschiedene Meinungen und unterschiedliche Strategien. Für den Thrombinhemmer Melagatran/Ximelagatran (Exanta®) gilt: Der Beginn vier bis acht Stunden nach dem Eingriff ist ein guter Kompromiß.

Thromben bilden sich bereits während der Operation, sagte der Angiologe Privatdozent Dr. Rupert M. Bauersachs aus Darmstadt beim Jahreskongreß der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostase-Forschung (GTH) in Mannheim.

Trotzdem sei eine prä- oder perioperative Thromboembolie-Prophylaxe nicht überall Standard, weil der verbesserte intraoperative Schutz mit erhöhten Blutungsrisiken erkauft werde. Es kommt also auf die gute Balancierung beider Risiken an.

Vergleicht man die unmittelbar präoperativ beginnende Enoxaparin-Prophylaxe (40 mg) mit der erst postoperativ beginnenden Melagatran-Prophylaxe, so ergeben sich ähnliche Raten an nachgewiesenen venösen Thrombosen und Lungenembolien bei jeweils etwa 30 Prozent der Patienten (METHRO-III-Studie) - symptomatische Thrombosen sind insgesamt deutlich seltener.

Dabei wurden postoperativ 3 mg Melagatran subkutan verabreicht, und dann ab dem ersten postoperativen Tag zweimal 24 mg orales Ximelagatran täglich, hieß es bei einem vom Unternehmen AstraZeneca unterstützten Satellitensymposium.

Subgruppen-Analysen von Daten aus METHRO III haben ergeben, daß die Thromboembolierate geringer war (27 Prozent), wenn die erste Melagatran-Dosis innerhalb von vier bis acht Stunden verabreicht wurde, als wenn dies später als acht Stunden postoperativ geschah (35 Prozent). Das hat der Frankfurter Orthopäde Dr. Patrick Mouret berichtet.

Noch besser, was den Schutz vor Thromboembolien betrifft, ist die unmittelbar präoperativ beginnende Melagatran-Therapie mit 2 mg, gefolgt von 3 mg postoperativ und dann zweimal 24 mg täglich, wie die EXPRESS-Studie ergeben hat. Dann ist allerdings die perioperative Rate relevanter Blutungen höher (3,3 versus 1,5 Prozent unter Enoxaparin). In EXPRESS kam es unter Melagatran bei 20 Prozent der Patienten zu Thromboembolien, unter Enoxaparin waren es 27 Prozent.

Ximelagatran ist ein direkter Thrombinhemmer, der in Deutschland zur Thrombose-Prophylaxe bei elektivem Hüft- und Kniegelenkersatz zugelassen ist. Die Tablette wird zweimal täglich in fixer Dosierung verabreicht.

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