Ärzte Zeitung, 18.03.2008

Muskelfaserriss bei Thrombophilie erhöht Thrombose-Risiko 50-fach

Auch bei kleinen Beinverletzungen häufig Venenverschlüsse  / Aktuelle Studiendaten

LEIDEN (ikr). Nicht nur nach schweren Verletzungen, sondern auch nach Bagatelltraumata wie Muskelfaserrissen in der Wade ist das Thrombose-Risiko deutlich erhöht. Das hat eine große Studie ergeben.

Bei anhaltender Schwellung und Schmerzen im Bein sollte daher immer auch nach einer Thrombose gefahndet werden, rät der Bonner Phlebologe Professor Eberhard Rabe. Das gelte ganz besonders für Risikopatienten, etwa mit Thrombophilie.

In der Fall-Kontroll-Studie hatten 289 von 2471 Thromboembolie-Patienten und 154 der 3534 gesunden Kontrollpersonen in den vorhergehenden drei Monaten kleinere Verletzungen erlitten wie Muskelfaserrisse in der Wade oder Verstauchungen am Knöchel. Aus den Ergebnissen haben niederländische Forscher berechnet: Bei kleineren Verletzungen am Bein ist das Risiko für eine Thrombembolie um den Faktor 5 höher als ohne solche Verletzungen. Und: Bei Patienten mit Faktor-V-Leiden-Genmutation und leichten Beinverletzungen ist das Risiko sogar um das 50-fache erhöht (Arch Intern Med 168, 2008, 21).

"Wenn Beschwerden nach Minimaltraumata länger persistieren, als man das vom Befund her erwarten würde, sollte man an eine Thrombose denken und das entsprechend abklären", sagte der Phlebologe zur "Ärzte Zeitung". Halten etwa bei einem Muskelfaserriss in der Wade Schmerz und Schwellung ungewöhnlich lange an, empfiehlt Rabe eine Duplexsonografie.

Besonders wichtig sei dies bei Patienten mit Thrombophilie und solchen, die schon eine Thrombose hatten. Rabe rät direkt zum Ultraschall, weil Labortests wie der D-Dimer-Test bei Verletzungen oft falsch-positiv sind. Auch der Wells-Test, mit dem sich die klinische Wahrscheinlichkeit für eine Thrombose errechnen lässt, sei bei Verletzungen wenig zuverlässig. Ob eine Faktor-V-Leiden-Mutation vorliegt, lässt sich etwa mit einem Faktor-V-Test als IGeL ermitteln.

Mehr Infos zum Thrombophilie-Test unter www.bioscientia.de

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Fehldiagnose lässt "Thrombophilie"-Patientin zittern

Bei einer Frau mit Venenthrombose wurde eine Thrombophilie-Diagnostik vorgenommen. Der Verdacht erhärtete sich und bescherte ihr angstvolle Wochen. mehr »

Schärfe und Säure kurbeln das Immunsystem an

Was wir essen, beeinflusst maßgeblich, wie gut die Immunabwehr im Speichel funktioniert. Das haben Münchener Forscher untersucht. mehr »

Was tun gegen sexuelle Belästigung?

Anzügliche Bemerkungen, obszöne Witze, schlüpfrige Mails bis hin zu Berührungen: Sexuelle Aufdringlichkeit gehört auch in Praxen und Kliniken manchmal zum Alltag. Statt die Belästigungen zu ignorieren, sollten sich Betroffene wehren - dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. mehr »