Ärzte Zeitung online, 12.01.2018

Hormontherapie nach Menopause

HRT zur Primärprävention – mehr Schaden als Nutzen

Präventionsexperten haben die Evidenz zu Nutzen und Risiken einer postmenopausalen Hormontherapie zur Vorbeugung chronischer Erkrankungen gesichtet. In der Gesamtbilanz können sie keinen Vorteil erkennen.

Von Beate Schumacher

HRT zur Primärprävention – mehr Schaden als Nutzen

Aus jung wird alt: Experten haben den Nutzen von Hormonbehandlungen nach der Menopause untersucht.

© blackday / stock.adobe.com

SEATTLE. Das Fazit der US Preventive Services Task Force (USPSTF), einer unabhängigen Gruppe von Experten in der Primärversorgung und Prävention, fällt eindeutig aus: "Die USPSTF spricht sich gegen die Verwendung einer kombinierten Östrogen-Gestagen-Therapie zur Primärprävention chronischer Erkrankungen bei postmenopausalen Frauen aus." Dieselbe Negativempfehlung geben die Präventionsexperten für die alleinige Östrogentherapie bei postmenopausalen Frauen nach Hysterektomie (JAMA 2017; 318(22): 2224-2233).

Die Aussagen beziehen sich auf systemische – orale und transdermale – Hormontherapien und auf ihren Einsatz zur Prävention diverser chronische Erkrankungen, die nach der Menopause zunehmen. Grundlage dafür ist ein Review, in dem die diesbezüglichen randomisierten Studien bis zum Juli 2017 berücksichtigt wurden, insgesamt 18 Studien mit mehr als 40.000 Teilnehmerinnen (JAMA 2017; 318(22): 2234–2249).

Zwiespaltige Ergebnisse

Dem Review zufolge ist die Hormontherapie "mit einigen günstigen Effekten, aber auch mit einem substanziellen Anstieg des Schadensrisikos verbunden", so die USPSTF. Im Detail: Durch eine kombinierte Hormontherapie bei Frauen in der Postmenopause mit intaktem Uterus werden bezogen auf 10.000 Frauenjahre schätzungsweise 44 Frakturen, 14 Fälle von Diabetes und sechs kolorektale Karzinome verhindert.

Erkauft wird die Schutzwirkung durch das zusätzliche Auftreten von neun Mamma-Ca, acht koronaren Herzkrankheiten, 22 wahrscheinlichen Demenzerkrankungen, 21 Gallenblasenerkrankungen, neun Schlaganfällen, 21 venösen Thromboembolien und 876 Fällen von Harninkontinenz, ebenfalls pro 10.000 Frauenjahre.

Auf der Nutzenseite der Östrogenmonotherapie bei Frauen nach Hysterektomie steht ein vermindertes Risiko für Frakturen (– 53/10.000 Frauenjahre) und Diabetes (–19), aber auch für invasiven Brustkrebs (–7).

"Keinen Nettonutzen in der Primärprävention chronischer Erkrankungen"

Die Schadensbilanz beinhaltet einen Risikozuwachs bei Demenz (+12 Fälle/10.000 Frauenjahre), Gallenblasenerkrankungen (+30), Schlaganfällen (+11), venösen Thromboembolien (+11) und Harninkontinenz (+1261). Auf das Mortalitätsrisiko nimmt keine der beiden Hormontherapien Einfluss.

Die USPSTF-Experten schließen aus den Daten "mit Evidenz mittleren Grades", dass die kombinierte Hormontherapie bei intaktem Uterus beziehungsweise die alleinige Östrogentherapie nach Uterusexstirpation "für die meisten postmenopausalen Frauen keinen Nettonutzen in der Primärprävention chronischer Erkrankungen hat".

Ob der primärpräventive Effekt einer Hormontherapie davon abhängt, in welchem Lebensalter und mit welchem Abstand zur Menopause damit begonnen wird, könne aufgrund der bisherigen Datenlage noch nicht beantwortet werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bei Diabetikern wird der HbA1c-Wert nicht oft genug kontrolliert

Eigentlich sollten Ärzte mindestens zweimal im Jahr den HbA1c-Wert bei Typ-2-Diabetikern bestimmen. Bei jedem vierten Patienten messen sie ihn aber nur einmal oder gar nicht. mehr »

Weg frei für GroKo-Gespräche und Nachverhandlungen

Es war eine Zitterpartie: Weniger als 60 Prozent der SPD-Delegierten auf dem Parteitag stimmten Gesprächen zur Bildung einer große Koalition zu. Nun soll weiterverhandelt werden – auch in Sachen Gesundheit. mehr »

Beunruhigend hohe Zahlen in der Altenpflege

Altenpflegekräfte fehlen fast doppelt so oft wegen psychischer Erkrankungen wie andere Beschäftigte, heißt es im länderübergreifenden Gesundheitsbericht für Berlin und Brandenburg. mehr »