Die Therapie mit Thyroxin ist störanfällig

MÜNCHEN (hbr). Patienten, bei denen der TSH-Wert trotz Thyroxin-Einnahme nicht genügend absinkt, haben möglicherweise eine Resorptionsstörung. Die Gründe reichen von Einnahmefehlern über Wechselwirkungen mit Medikamenten bis zur intestinalen Malabsorption.

Veröffentlicht:
Patienten sollten Sojaprodukte erst mehrere Stunden nach Thyroxin-Einnahme essen.

Patienten sollten Sojaprodukte erst mehrere Stunden nach Thyroxin-Einnahme essen.

© Foto: Igor Dutinawww.fotolia.de

In der Regel würden 60 bis 80 Prozent des eingenommenen Levothyroxins (T4, etwa Euthyrox®) resorbiert, sagte Professor Martin Grußendorf beim Münchener Schilddrüsen-Symposium. Wegen der geringen therapeutischen Breite der Schilddrüsen-Hormone können also bereits leichte Resorptionsstörungen das TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) steigen lassen. In Einzelfällen ist der Ziel-TSH sogar erst mit sehr hohen T4- und teilweise zusätzlichen T3-Dosen (Trijodthyronin) erreichbar - 300 bis 500 µg T4 und 20 bis 100 µg T3 können erforderlich sein.

Ursache für erhöhtes TSH können zudem Einnahmefehler sein. Zwar sind sie nach Erfahrung des Endokrinologen eher selten. Trotzdem sollten Patienten gefragt werden, ob sie den nötigen Abstand zwischen Tabletteneinnahme und Frühstück einhalten. Denn frühes Essen begrenzt die Aufnahme: Thyroxin braucht einen Vorsprung von etwa 30 Minuten.

Bei leichten Störungen ist ein Check von Medikamenten, Nahrungs- und Nahrungsergänzungsmitteln sinnvoll, so Grußendorf bei der Veranstaltung von Merck Pharma. So können etwa Cholestyramin, Protonenpumpen-Hemmer, Rifampicin, Carbamazepin und aktivierte Kohle die Resorption beeinträchtigen, ebenso Präparate, die Kalziumkarbonat, Aluminium oder Eisen enthalten. Das gilt ebenfalls für Laktose, Sojaprodukte, Walnüsse und Pflaumen. Hier wird teilweise ein Abstand von mehreren Stunden empfohlen.

Bei ausgeprägten Resorptionsstörungen rät Grußendorf zu einer Magen-Duodenum-Endoskopie mit Biopsie. Als wichtige Auslöser intestinaler Malabsorption wurde vor zwei Jahren zum Beispiel die atrophische Gastritis etwa durch H.-pylori-Infektion bekannt. Hinzu kommen klassische Ursachen wie Zöliakie/Sprue, Morbus Crohn, Whipple-Krankheit und Strahlenenteritis, zudem Pankreas-insuffizienz und Amyloidose.

Ausgesprochen seltene Gründe erhöhter TSH-Werte sind Schilddrüsenhormon-Resistenz und TSH-produzierendes Hypophysenadenom. So ist nach Schätzungen nur einer von etwa 500 000 Patienten resistent.

Mehr zum Thema

DEGAM-Leitlinie

So sollten Sie bei Schilddrüsenknoten vorgehen

Das könnte Sie auch interessieren
Welche Rolle spielt Zink?

© Tondone | AdobeStock

Immunsystem unterstützen:

Welche Rolle spielt Zink?

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Impf- und Zinkstatus im Blick

© Wörwag Pharma | KI-generiert

Bei Risikogruppen:

Impf- und Zinkstatus im Blick

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

© artemidovna | AdobeStock

Ernährungsfallen:

Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Muskuloskelettale Erkrankungen

Was bringt Kinesiotaping?

Asthma, COPD und Co.

Acht Fehler bei der Inhalationstherapie – und wie es richtig geht

Lesetipps
Ein Kardiologe verwendet einen Schlauch für die Radiofrequenzkatheterablation eines Patienten mit Vorhofflimmern.

© romaset / stock.adobe.com

Nach Katheterablation

Kontrolle von Risikofaktoren schützt vor Vorhofflimmern-Rezidiven

Eine Blutprobe zur Bestimmung von vier kardiovakulären Schlüsselmarkern.

© Henrik Dolle / stock.adobe.com

Verdacht auf Myokardinfarkt

Wenn erhöhte Troponine täuschen und es kein Herzinfarkt ist

Diabetischer Fuß mit Ulkus

© Brauer / stock.adobe.com

Innovative Therapieansätze

Mit Fischhaut gegen den diabetischen Fuß