Direkt zum Inhaltsbereich

Behandlung mit L-Thyroxin schon bei latenter Hypothyreose

BERLIN (hbr). Häufigste Ursache für eine Hypothyreose ist hierzulande die Hashimoto-Thyreoiditis. Eine Behandlung mit SchilddrüsenHormonen ist dann schon bei subklinischer Unterfunktion sinnvoll.

Veröffentlicht:

An Hashimoto-Thyreoiditis erkranken vor allem Frauen. Diese Autoimmun-Thyreoiditis führt bei lymphozytärer Infiltration in der Regel zur schleichenden Zerstörung des Schilddrüsen-Gewebes. Das bedingt anfangs oft eine leichte Überfunktion, mündet letztlich aber in die Hypothyreose. Typisch für Hashimoto-Patienten sind in der euthyreoten Phase erhöhte Werte von Antikörpern gegen die thyreoidale Peroxidase (TPO-AK), wie Professor Karl- Michael Derwahl vom St.-Hedwig-Krankenhaus in Berlin berichtet hat. Die Antikörper lassen sich bei neun von zehn Patienten nachweisen. Erhöhte Spiegel an Thyreoglobulin-Antikörpern (Tg-AK) bestehen bei rund 50 Prozent. Bei ausgebrannter Thyreoiditis dagegen können die Antikörpertests auch negativ ausfallen.

In der euthyreoten Phase sei L-Thyroxin noch nicht sinnvoll, sagte der Endokrinologe bei einer Veranstaltung von Merck Pharma in Berlin. Denn der Entwicklung einer Unterfunktion hat die Medikation in Studien nicht vorgebeugt. Anders sieht es bei subklinischer Hypothyreose mit erhöhten Werten an Thyreoidea-stimulierendem Hormon (TSH) und normalen Werten des freien Tetrajodthyronins (T4) und Trijodthyronins (T3) aus: Bei erhöhtem TSH und gleichzeitig hohen TPO-AK-Werten sei eine Behandlung mit L-Thyroxin in der Regel indiziert, sagte Derwahl. Bei solchen Patienten kommt es gehäuft zu einer manifesten Unterfunktion, die durch eine Therapie teilweise abgefangen werden kann.

Außerdem können typische Hypothyreose-Symptome - Müdigkeit, Depressionen und Gedächtnisprobleme - bereits bei latenter Unterfunktion auftreten. Die Medikation sollte also auf den TSH-Wert und die Beschwerden der Patienten abgestellt werden. Zusätzlich sind das erhöhte kardiovaskuläre Risiko und eine Hypercholesterinämie zu beachten. So wurden für subklinisch hypothyreote Patienten in mehreren Studien signifikant erhöhte Cholesterin- und LDL-Werte ermittelt.

Mit L-Thyroxin (vom Unternehmen als Euthyrox® angeboten) nehmen in der Regel der TPO-AK-Titer und das Volumen der Schilddrüse ab. Derwahl empfahl, einen TSH-Wert zwischen 0,5 und 1,5 mU/l anzustreben. TSH und periphere Hormone sollten regelmäßig kontrolliert werden. Weil das TSH auf die eingenommene Dosis verzögert reagiert, ist eine erste Messung erst nach vier bis sechs Wochen sinnvoll. Um den Wert im Zielbereich zu halten, sollte danach wegen des progressiven Charakters der Krankheit eine Kontrolle mindestens jährlich und außerdem bei Beschwerden erfolgen.

Mehr zum Thema

Systematische Ursachensuche

Therapierefraktäre Hypothyreose: Was steckt dahinter?

Prävalenz-Vergleich der Kreise

Auffällig hoher Anteil an multimorbiden Menschen in Ostdeutschland

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Porträt: xxx

© Porträt: Alexander Sahi

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Testosteronmangel: Worauf es in der Hausarztpraxis ankommt

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Besins Healthcare Germany GmbH, Berlin
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Lukrative Vorhaltefinanzierung

Vergütung sektorenübergreifender Versorgungseinrichtungen beschlossen

Lesetipps