Ärzte Zeitung, 03.03.2005

Übergroße Brüste bei Männern sind meist nur ein temporäres Phänomen

Bei einseitiger Gynäkomastie sollte jedoch auf Brustkrebs untersucht werden

FREIBURG (bib). Daß Männern Brüste wachsen, kommt recht häufig vor und kann in bestimmten Lebensabschnitten physiologisch sein. Mitunter steckt aber eine ernsthafte Erkrankung, etwa ein Tumor, hinter einer Gynäkomastie, oder es handelt sich um eine unerwünschte Medikamentenwirkung.

Mann mit Gynäkomastie. Meist schrumpfen die großen Brüste nach einiger Zeit von selbst wieder. Foto: Archiv

Eine Gynäkomastie, also eine gutartige Proliferation von Brustdrüsengewebe bei Männern kommt nach Angaben von Dr. Dominik Denschlag und seinen Mitarbeitern von der Universitäts-Frauenklinik in Freiburg bei 60 bis 90 Prozent der Neugeborenen, 4 bis 40 Prozent der Jungen in der Pubertät und bei 36 bis 65 Prozent der Männer im höheren Erwachsenenalter vor.

Die Veränderungen sind meist vorübergehend und Folge des in diesen Phasen normalen hormonellen Ungleichgewichts zu Gunsten der Östrogene und zu Ungunsten der Androgene. So zirkuliert etwa im Blut Neugeborener noch reichlich Östrogen von der Mutter.

Krankhafte Ursachen einer Gynäkomastie sind etwa endokrin-aktive Nebennieren- oder Hodentumoren. In einer retrospektiven Analyse bei 175 Patienten war die bilaterale Gynäkomastie bei zehn Prozent der Patienten das erste klinische Zeichen eines testikulären Tumors, schreibt Denschlag (Gynäkologische Endokrinologie 3, 2004, 139).

Auch Bronchial-, Magen- oder Leberkarzinome können eine Gynäkomastie hervorrufen. Durch paraneoplastische Bildung von humanem Chorion-Gonadotropin (HCG) stimulieren sie die Östrogen-Synthese.

Ist die Gynäkomastie einseitig, sollte man die Brust genau untersuchen, gegebenenfalls mittels Ultraschall oder Mammographie. Denn es gibt, wenn auch mit einer Inzidenz von nur 1 zu 100 000 pro Jahr, auch Brustkrebs bei Männern.

Weitere häufige Ursachen sind Adipositas, wobei es sich dann oft nur um vermehrtes Fettgewebe und somit um eine Pseudo-Gynäkomastie handelt, übermäßiger Alkoholkonsum, Lebererkrankungen und Medikamente. Spironolacton, Omeprazol oder Östrogene, auch in Externa, sowie viele andere Medikamente sind für etwa ein Fünftel der Gynäkomastien ursächlich, für ein Viertel gibt es keine Erklärung.

Da eine Gynäkomastie meist eine temporäre Erscheinung mit einer hohen Rate an Spontanremissionen ist und an sich keinen Krankheitswert hat, ist eine Therapie nur bei Schmerzen oder starkem Leidensdruck nötig. Bei einer arznei-induzierten Gynäkomastie ist die Umstellung auf andere Mittel zu erwägen. In Studien erfolgreich getestet wurden bislang zur Therapie bei Gynäkomastie Substanzen wie Dihydrotestosteron, Clomiphen oder Tamoxifen.

Bringt eine medikamentöse Therapie nicht den gewünschten Erfolg, ist eine Operation eine Option. Sie führt bei über 90 Prozent der Patienten zu einem akzeptablen Ergebnis. Hierbei habe sich die Kombination aus Liposuktion und Exzision des Drüsengewebes bewährt, so Denschlag.

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