Ärzte Zeitung, 07.06.2005

Therapie gegen HCV bei HIV-Infizierten sollte früh starten

Ein Drittel aller HIV-Infizierten in Europa hat auch eine Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus / Therapie mit pegyliertem Interferon und Ribavirin

WIEN (wst). Viele HIV-Patienten haben auch eine chronische Hepatitis C. Infolge der immer besseren HIV-Kontrolle wächst die Wahrscheinlichkeit, daß solche HIV-Patienten Komplikationen ihrer Hepatitis C erleben oder daran sterben. Eine Therapie gegen Hepatitis C sollte daher früh beginnen.

Dies hat Professor Jürgen Rockstroh aus Bonn beim deutsch-österreichischen Aids-Kongreß in Wien gesagt. Stichprobenerhebungen in Europa hätten ergeben, daß etwa 34 Prozent aller HIV-Patienten eine Hepatitis C haben, so Rockstroh auf einem vom Unternehmen Roche unterstützten Symposium.

    Der Verlauf der Hepatitis C ist bei HIV-Infizierten schlechter als bei Nicht-Infizierten.
   

Wie aus einer 2004 veröffentlichten Studie aus Frankreich mit mehr als 40 000 HIV-Patienten hervorgeht, sterben dank einer ständig besser gewordenen Anti-HIV-Therapie immer weniger HIV-Patienten an klassischen Aids-assoziierten Komplikationen.

Dafür stieg in den vergangenen 15 Jahren der Anteil der HIV-Patienten mit Hepatitis-bedingter Mortalität deutlich und erreichte in der Studie 2003 eine Quote von fast 15 Prozent an der Gesamtmortalität.

Die hohen Koinfektionsraten und die Tatsache, daß HCV-Infektionen bei HIV-Patienten einen signifikant ungünstigeren Verlauf nehmen als bei HIV-Negativen, machen es nötig, HIV-Patienten auf eine Infektion mit HCV zu testen. Bei positivem Befund ist die Möglichkeit einer baldigen HCV-eliminierenden Therapie zu prüfen. Dabei gelten für die Abschätzung der Therapiechancen ähnliche Kriterien wie bei nur mit HCV Infizierten.

Spricht die individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung zugunsten einer spezifischen Anti-HCV-Therapie, sollten die Patienten gemäß den 2005 im "Journal of Hepatology" (42/5, 2005, 615) veröffentlichten Richtlinien der ersten Europäischen Konsensuskonferenz dazu als effektivste Alternative Peginterferon (etwa Pegasys®) in Kombination mit Ribavirin (etwa Copegus®) erhalten.

Ist die HCV-Menge im Blut nach zwölf Interventionswochen um mindestens zwei Log-Stufen, also 99 Prozent, gefallen, läßt dies ein gutes, dauerhaftes Ansprechen auf die Therapie erwarten. Diese sollte dann unverändert unbedingt für 48 Wochen fortgeführt werden, so Rockstroh auf dem Kongreß.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Alzheimer-Anzeichen schon 25 Jahre vor Ausbruch

Die Alzheimer-Demenz kündigt sich in einigen Formen offenbar lange vor Krankheitsbeginn an. Das bringt Zeit, um die Erkrankung zu verhindern - womöglich sogar zwei Jahrzehnte. mehr »

Konzept der E-Patientenakte steht

Die elektronische Patientenakte nimmt konkrete Formen an. Ärzte, Zahnärzte, Krankenkassen und gematik haben sich auf ein Vorgehen zur Gestaltung der ePA geeinigt. Die Industrie bleibt vorerst außen vor. mehr »

Placebo ist nicht gleich Placebo

Ein Scheinmedikament zu verordnen, gilt manchen Ärzten als anrüchig - andere halten es für legitim. Bei vielen hängt es davon ab, woraus das spezielle Placebo besteht. mehr »