Ärzte Zeitung, 11.10.2005

KOMMENTAR

Hoffnungsvolle Aussichten

Von Peter Leiner

Es ist im Zusammenhang mit HIV und Aids endlich mal wieder eine erfreuliche Nachricht, die uns da aus Belgien erreicht: HI-Viren, die heute zirkulieren und mit denen sich Menschen infizieren, sind offenbar nicht so aggressiv wie Viren, die in den Anfängen der Pandemie unterwegs waren.

Ob dieser Nachricht könnte man auf den Gedanken verfallen, es mit der Prävention nicht mehr ganz so ernstnehmen zu müssen und auf Kondome verzichten zu können. Doch das wäre fatal.

Denn die Aussage beruht auf den molekularbiologischen Daten von Viren, die von nur 24 HIV-Infizierten vor zwei, drei Jahren isoliert worden waren, und solchen, die aus zwölf Proben aus den 80er Jahren stammten - alle Daten zudem von einer einzigen Klinik.

Das reicht nicht aus, um sicher sagen zu können, der Aids-Erreger sei weniger gefährlich als früher. Dazu müssen viel mehr Viren isoliert und ihre Fähigkeit, sich zu vermehren, getestet werden.

Ein Trost bleibt: Das Phänomen, daß sich Krankheitserreger mit der Zeit abschwächen, gibt es tatsächlich. Beispiele sind die Myxomatose bei Kaninchen in Australien und HIV-2 in Westafrika. Die Chance, daß es bei HIV-1 ebenso ist, sind gut.

Lesen Sie dazu auch:
HIV ist offenbar weniger aggressiv als früher

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Neue Arzneien zum Schutz vor Brüchen

Osteoporose wird oft übersehen. Der Welt-Osteoporose Tag rückt die Erkrankung ins Bewusstsein. Zum Schutz vor Frakturen werden derzeit neue Substanzen erprobt. mehr »

Vergangenheit, die nicht vergeht

Ramstein, Eschede, Loveparade in Duisburg: Großunglücke lassen bei Opfern und oft auch bei Einsatzkräften seelische Wunden zurück. Psychotraumatologen können den Betroffenen in der Regel gut helfen. mehr »

Politik hat die Bedeutung der Arzneimittelforschung erkannt

Gute Versorgungsideen sind in der Politik willkommen, stellte Gesundheitsminister Jens Spahn bei der Springer Medizin Gala zum Galenus-von-Pergamon-Preis klar. mehr »