Ärzte Zeitung, 29.11.2013
 

HIV

Arzneien und Mikrobizide gegen die Pandemie

Nicht nur mit Kondomen, sondern auch mit antiretroviralen Arzneien und Mikrobiziden wird versucht, die weitere Ausbreitung des Aids-Erregers HIV einzudämmen - mit ersten Erfolgen durch die HIV-Therapie zur Prävention.

Von Peter Leiner

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HIV-Infizierte können ihre Geschlechtspartner durch frühe antiretrovirale Therapie vor einer Infektion mit dem Aids-Virus schützen.

© scalesy / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Sie ging Anfang des Jahres um die Welt - die Meldung, dass ein Kind in den USA, das "Mississippi-Baby", vom Aids-Erreger, mit dem es sich wohl bereits im Uterus infiziert hatte, befreit werden konnte.

Es war als Neugeborenes einer HIV-Infizierten bereits 30 Stunden nach der Geburt intensiv antiretroviral behandelt worden. Auch 30 Monate nach der Therapie war es noch HIV-negativ.

Das Virus war zu dem Zeitpunkt bei einer Nachweisgrenze von , 20 HIV-RNA-Kopien pro Milliliter Blut mit den gängigen Methoden nicht nachweisbar, und das, obwohl die HIV-Therapie bereits mit 18 Monaten beendet worden war. Es besteht Hoffnung, dass sich durch die frühe HIV-Therapie die Immunschwäche verhindern lässt, sicher ist das noch nicht.

Besser ist es natürlich, bereits die Übertragung des Virus von einer infizierten Schwangeren auf ihr Kind zu verhindern.

Dies gelingt inzwischen sehr gut unter anderem durch eine antiretrovirale Therapie während der Schwangerschaft, eine antiretrovirale Prophylaxe beim Neugeborenen und durch den Verzicht auf das Stillen. So ließ sich die Übertragungsrate inzwischen auf unter ein Prozent senken.

Dass die antiretrovirale Behandlung nicht nur einen therapeutischen, sondern auch einen präventiven Effekt hat, geht aus neun Beobachtungsstudien und einer randomisierten kontrollierten Studie (HPTN 052, HIV Prevention Trials Network) hervor (JAMA 2013; 310: 1619-1620).

In dieser prospektiven klinischen Studie wurde durch die frühe antiretrovirale Behandlung - also bereits bei einer CD4-Zellzahl , 550 pro Mikroliter - das relative Risiko einer HIV-Übertragung um 96 Prozent reduziert.

Erfolg auch bei Drogenabhängigen?

An der Studie hatten fast 1800 zumeist heterosexuelle, diskordante Paare - es war also jeweils ein Partner HIV-negativ, der andere HIV-positiv - in Afrika, Indien, Südamerika, USA und Thailandteilgenommen. Diese Studie ist Grundlage entsprechender Empfehlungen etwa der WHO und der Europäischen Aids-Gesellschaft (EACS).

Dennoch sind nicht alle Fragen geklärt. Zu Recht fragen Expertenum Professor Myron S. Cohen von der Universität von North Carolina in Chapel Hill, ob diese Präventionsstrategie auch bei anderen Heterosexuellen mit erhöhtem Infektionsrisiko funktioniert, etwa bei Prostituierten und ihren Kunden, bei Männern, die Sex mit Männern haben, sowie bei Menschen, die i.v. verabreichte Drogen konsumieren.

Von I.v.-Drogengebrauch und Analverkehr ist bekannt, dass sich auf diesem Wege HIV leicht übertragen lässt, wodurch möglicherweise der präventive Effekt der antiretroviralen Therapie konterkariert wird.

Bisherige Erfahrungen bei Männern in Großbritannien, Australien und den Niederlanden, die Sex mit Männern haben, lassen dies zumindest vermuten.

Große Hoffnung wird auch in Mikrobizide gesetzt, die etwa als Gel auf die Schleimhaut der Vagina oder des Rektums aufgetragen werden. Dazu gehören auch Präparate, die das HIV-Medikament Tenofovir (1 Prozent) enthalten (HIV/AIDS - Research and Palliative Care 2013; 5: 295-307).

In der CAPRISA-004-Studie in Südafrika konnte mit einem solchen Gel bei Frauen das Risiko einer HIV-Infektion um fast 40 Prozent reduziert werden, wenn es statt eines Scheinpräparates vor dem Geschlechtsverkehr angewendet wurde.

Keinen Schutzeffekt hatte jedoch die tägliche Anwendung des Gels in der Studie VOICE MTN 003 in Südafrika, Uganda und Zimbabwe.

Geprüft werden derzeit auch Mikrobizide, die anhaltend aus einem Vaginalring freigesetzt werden und zum Beispiel Dapivirin mit/ohne Maraviroc enthalten.

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