Ärzte Zeitung, 15.07.2015

Kommentar zu AIDS-Prävention

Verpasste Chancen bei HIV

Von Peter Leiner

Wenn man sich die Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zur Reduktion des HIV-Infektionsrisikos vor Augen führt - was nicht schwerfällt, da die Plakate auch an jeder Bushaltestelle hängen - könnte man meinen, jeder wisse, wie er sich sicher vor dem Virus schützen kann -, sei es die junge Frau ohne festen Partner, der junge Schwule oder die Ehefrau.

Außen vor bleiben die, die sich bereits infiziert haben. Wie jetzt eine kleine Erhebung im Südwesten Deutschlands vermuten lässt, gehen viele HIV-Infizierte leider erst dann zum Arzt, um sich testen zu lassen, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Die Raten übertreffen sogar noch die einer deutschlandweiten Untersuchung.

Irgendetwas läuft schief bei der Aufklärung. Hat sie die falschen Adressaten? Schauen die, die es betrifft, also die mit erhöhtem Infektionsrisiko, nicht (mehr) hin? Oder schätzen sie ihr erhöhtes Risiko falsch ein? Sinnvoll wäre es, Menschen etwa in Plakatkampagnen aufzufordern, sich anonym testen zu lassen, wie es etwa Australien, Südafrika und die USA vormachen.

Das würde die Chance Infizierter erhöhen, sich frühzeitig antiretroviral behandeln zu lassen - und so eine normale Lebenserwartung ermöglichen und das Infektionsrisiko für andere senken.

Lesen Sie dazu auch:
In Deutschland: HIV-Infektion wird oft zu spät diagnostiziert

Topics
Schlagworte
AIDS / HIV (1852)
Prävention (3088)
Organisationen
BZgA (735)
Krankheiten
AIDS (3440)
Personen
Peter Leiner (749)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Kinderschutzhotline - Heißer Draht zu Ärzten

Über den Verdacht auf Kindesmissbrauch sprechen, ohne die Schweigepflicht zu verletzen: Das ermöglicht seit 2017 die Medizinische Kinderschutzhotline - eine Zwischenbilanz. mehr »

Hypertonie vor 40. Lebensjahr ist riskant

Junge Erwachsene, die einen erhöhten Blutdruck gemäß den US-amerikanischen Leitlinien von 2017 entwickeln, haben ein signifikant höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse als Normotoniker. mehr »

Appell zur rationalen Antibiotika-Gabe

Anlässlich des 11. Europäischen Antibiotika-Tages rufen KBV und vdek zum rationalen Einsatz von Antibiotika bei Erkältungen und Grippe auf. mehr »