Ärzte Zeitung, 26.10.2007

KOMMENTAR

Guter Polioschutz bleibt unverzichtbar

Von Wolfgang Geissel

Seit 17 Jahren hat sich kein Mensch aus Deutschland mehr mit dem Poliomyelitis-Wildvirus infiziert. Und in den Nachbarländern in Europa ist schon seit fünf Jahren keine Infektion mehr aufgetreten. Warum sollte man die Menschen also hierzulande noch gegen Poliomyelitis impfen?

Leider hat in den vergangenen Jahren das letzte Quäntchen an Erfolg gefehlt, um Poliomyelitis global zu eradizieren. Die weltweiten Erkrankungszahlen sind nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) von jährlich etwa 350 000 im Jahr 1988 auf bis jetzt 519 in diesem Jahr zurückgegangen.

Nur noch in vier Ländern ist das Virus endemisch: in Nigeria, Indien, Afghanistan und Pakistan. Dort aber kommt man schon seit Jahren mit der Eradikation nicht richtig weiter. Wenn aber in diesen Ländern die Zirkulation der Polio-Viren nicht bald gestoppt werden kann, dann sind große Rückschläge bei den weltweiten Eradikationsprogramm absehbar. Denn die Motivation zu Impfungen lässt bereits in vielen Ländern weltweit nach.

Auch nach Deutschland kann Polio deshalb wieder sehr schnell eingeschleppt werden. Das zeigt das Beispiel Niederlande: Dort war es noch 1993 zu einem Polioausbruch in einer religiösen Gruppe gekommen, die Impfungen ablehnen.

Gute Polio-Impfraten bleiben daher sehr wichtig. Jeder Mensch bei uns sollte eine Grundimmunisierung mit vier dokumentierten Impfungen haben und den Schutz vor Reisen in Endemieregionen auffrischen.

Lesen Sie dazu auch:
Plädoyer für Polioschutz

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