Direkt zum Inhaltsbereich

Erfolgreiche Suche nach Alternative für Antikörper

BENEDIKTBEUERN (wst). Von natürlichen Lipocalinen abgeleitete Anticaline bieten sich als Alternative zu therapeutischen und diagnostischen Antikörpern an. Ähnlich wie diese sind sie zielspezifisch nutzbar, haben aber eine deutlich einfachere Struktur und sind damit leichter zu produzieren. Außerdem sind sie um etwa den Faktor 10 kleiner als herkömmliche Antikörper. Damit können sie auch an Orte gelangen, die Antikörpern aufgrund deren Größe verwehrt bleiben.

Veröffentlicht:

Lipocaline sind eine weit verbreitete Familie von Proteinen, die in allen lebenden Organismen vorkommen. Im menschlichen Organismus sind diese Eiweißstoffe zum Beispiel für den Transport von Vitaminen oder Hormonen zuständig.

Bestimmendes Element in ihrem einfachen Aufbau ist eine Beta-Fass-Struktur, an deren offenem Ende vier individuell geformte Peptidschleifen einen spezifischen Eingang zur natürlichen Bindungstasche bilden. Das hat der Pionier der Anticalin-Forschung, Professor Arne Skerra vom Lehrstuhl für Biologische Chemie der Technischen Universität München berichtet.

Lipocaline sorgen für den Transport von Vitaminen und Hormonen.

Die Region ist ähnlich wie die Bindungsregion von Antikörpern sehr variabel, wie Skerra auf einem von der Bayern Innovativ GmbH ausgerichteten biopharmazeutischen Kooperationsforum im Kloster Benediktbeuern erklärte. Mit dem Proteindesign ist es möglich - ausgehend von natürlichen Lipocalinen - neuartige Bindungsproteine mit hoher Affinität und Spezifität für vielfältige und praktisch beliebige molekulare Zielstrukturen zu konstruieren.

Die so entstandenen Anticaline lassen sich in bakteriellen Wirtsorganismen kostengünstig vervielfältigen. Sie sind sehr stabil und aufgrund ihrer geringen Größe sehr gut gewebegängig. In den Organismus gelangte Noxen können mit den Anticalinen hochspezifisch und schnell neutralisiert werden. Beispiel: eine Digoxinüberdosierung mit Hilfe eines digoxinspezifischen Anticalins. Bei Tieren ließ sich die Wirksamkeit des Anticalins bereits eindrucksvoll bestätigen.

Ein selektiv an den T-Zell-Korezeptor CTLA-4 bindendes Anticalin antagonisiert dessen immunbremsende Funktion. Folge: T-Zellen bleiben länger aktiv. Dies kann therapeutisch bei Krebserkrankungen und bei schweren Infektionen effektiv sein.

Ein anderes ebenfalls schon im Tiermodell erfolgreich geprüftes Anticalin fungiert als potenter Antagonist des Angiogenesefaktors VEGF. Damit kommt es als effektiver Hemmstoff einer tumoralen Neoangiogenese oder einer unerwünschten retinalen Gefäßneubildung wie bei der altersbedingten Makuladegeneration infrage.

STICHWORT

Lipocaline

Lipocaline sorgen für den Transport oder die Komplexierung schlecht löslicher Vitamine, Hormone oder chemisch empfindlicher metabolischer Verbindungen. Im Molekülzentrum befindet sich ein fassförmiges Molekül, daran angelehnt eine alpha-Helix. Die Fassstruktur ist an einem Ende offen, wo vier Peptidschleifen den Eingang zur Bindungstasche bilden.

Mehr zum Thema

Interview

Reisediarrhoe: Bei Fieber keine Selbstbehandlung

Kein Herpes, kein Krebs

Was steckte hinter den schlecht heilenden Ulzera im Mund?

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

© piyato | iStock

Vaginalmykose im Fokus

Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

© iStock / okskukuruza

Vaginale Gesundheit

Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: MATTERHORN-Regime beim GC/GEJC: ereignisfreies Überleben (EFS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Perioperativ behandeln – kurativ denken

Durvalumab-basierte Therapie bei drei Tumorentitäten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Progression bremsen

Rhythmuskontrolle bei Vorhofflimmern: Wann initiieren?

Mögliche Glutenquelle

Wie riskant ist ein Zungenkuss bei Zöliakie?

Lesetipps
Syphilis-Läsion im Mund einer infizierten Person.

© CID / Science Photo Library

Kein Herpes, kein Krebs

Was steckte hinter den schlecht heilenden Ulzera im Mund?

Illustration von einer Person mit einem schwarzen Knäuel statt eines Kopfes.

© Khosrork / Getty Images / iStock

Neurodivergenz

ADHS in der Hausarztpraxis: Hinweise für die Diagnostik