Ärzte Zeitung, 19.04.2010

Gelbfieber-Impfvirus via Muttermilch übertragen

Erkrankungsrisiken aber deutlich höher als Impfrisiko

NEU-ISENBURG (eis). Das Impfvirus der Gelbfiebervakzine ist durch Muttermilch übertragbar, wie jetzt ein Fallbericht aus Brasilien belegt. Der Impfstoff sollte daher an stillende Mütter nur verabreicht werden, wenn dies unvermeidbar ist.

Gelbfieber-Impfvirus via Muttermilch übertragen

Stillenende Mütter sollten nur in Ausnahmefällen gegen Gelbfieber geimpft werden. © Andreas Koch / fotolia.com

17D-Lebendimpfstoff ist der einzige weltweit eingesetzte Impfstoff gegen Gelbfieber. Er ist bei nahezu 100 Prozent der Impflinge wirksam. In Brasilien ist jetzt allerdings ein Säugling an einer Infektion mit dem Impfvirus erkrankt, berichtet der "Impfbrief online" (www.impfbrief.de). Danach war die Mutter bei einem Geburtsnachsorgetermin gegen Gelbfieber geimpft worden (MMWR 59, 2010, 130). Etwa fünf Tage nach der Impfung bekam sie für etwa zwei Tage Kopfschmerzen, Krankheitsgefühl und leichtes Fieber. Das Kind wurde ausschließlich gestillt. Im Alter von 23 Tagen wurde es aufgrund von Krämpfen, die die ständige Gabe von Antikonvulsiva erforderten, zur stationären Behandlung eingeliefert. Es erhielt antimikrobielle und antivirale Medikation gegen Meningoenzephalitis. Im Liquor des Säuglings ließen sich das 17DD-Virus sowie gelbfieberspezifische IgM-Antikörper nachweisen, letztere kamen auch im Serum vor. Das Kind erholte sich wieder vollständig. Sein Wachstum und seine neuronale Entwicklung bis zu einem Alter von sechs Monaten verliefen normal.

Die Experten des "Impfbriefs" weisen zudem darauf hin, dass bei über 60-Jährigen das Risiko für eine schwere Komplikation der Gelbfieberimpfung deutlich ansteigt. Allerdings sei das Risiko einer Erkrankung für Ungeimpfte in einem Endemiegebiet weiterhin höher als das Risiko durch die Impfung: Gelbfieber verläuft bei etwa 15 Prozent der Patienten schwer, etwa 10 Prozent sterben.

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