Ärzte Zeitung, 23.06.2012

Infektionen: Neues Zentrum bündelt Wissen

BRAUNSCHWEIG (cben). 32 Forschungseinrichtungen schließen sich am 27. Juni in Braunschweig zum Verein "Deutsches Zentrum für Infektionsforschung e.V." (DZIF) zusammen.

Ziel und Auftrag des DZIF werde es sein, in Gemeinschaftsprojekten tiefer gehende Erkenntnisse über Krankheitserreger zu gewinnen, um daraus neue Strategien gegen sie zu entwickeln und in die Klinik zu bringen, hieß es.

Im Mittelpunkt der Arbeit stehe dabei die "Translation", der verbesserte Fluss von Erkenntnissen und Innovationen aus der Grundlagenforschung in die Klinik, erklärt der zukünftige Geschäftsführer des DZIF, Dr. Timo Jäger.

Das DZIF besteht aus 170 Wissenschaftlern an sieben Standorten. Die Geschäftsstelle wird am Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) eingerichtet.

In neun Forschungsgruppen zu Erkrankungen wie Malaria, HIV, Tuberkulose und neuen Infektionskrankheiten sollen sich unter dem Dach des DZIF Fachleute aus Forschung und Klinik zu gemeinsamen Projekten verabreden und laufend koordinieren, so Jäger. "Die ersten Projekte laufen bereits."

Teil der BMBF-Gesundheitsforschung

So sollen etwa neue Behandlungsstrategien für Langzeitfolgen der HIV-Infektion voran getrieben werden. Zugleich werde das Institut direkt Projekte fördern und in der DZIF-Akademie junge Wissenschaftler und Ärzte ausbilden.

Das Budget beträgt im Jahr 2012 drei Millionen Euro. Es wächst bis 2015 auf 39 Millionen Euro. "Danach wird die Arbeit begutachtet und neu über Geld entschieden", sagt Jäger.

Finanziert wird das Projekt zu 90 Prozent vom Bundesforschungsministerium (BMBF) und zu zehn Prozent von den Ländern der Mitgliedsorganisationen.

Das DZIF ist Teil des Konzeptes der "Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung", mit denen das BMBF die bedeutendsten Volkskrankheiten besser bekämpfen will.

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[25.07.2012, 15:29:32]
Dr. Horst Grünwoldt 
brainstorming
Infektions-Forschung wird ja in Deutschland schon in verschiedenen Groß-Instituten wie RKI (Robert-Koch-Institut, Berlin), PEI (Paul-Ehrlich-Institut, Langen), FLI (Friedrich-Löffler-Institut, Auf dem Riems), Bernhard-Nocht-Institut (Hamburg-Altona) und allen Universitäts-Instituten für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie aufwendig und teuer betrieben, obwohl die Morbidität und erst recht die Mortalität von Infektionskranheiten in unserer hygienischen Zivilisation Mitteleuropas an unterer Stelle der Krankheits-Statistik steht.
Vielleicht führt das "brainstorming" in dem neugegründeten (steuerbefreiten) Verein "Deutsches Zentrum für Infektionsforschung" e.V. tatsächlich zur Bündelung und Anwendung der zahlreichen Einzel-Erkenntisse, wenn dort auch ein paar universale "Excellenzen" sich zusammenfinden. Schließlich kommt es in der Wissenschaft nicht auf eine riesige Datensammlung an, sondern wie die Einzelerkenntnisse vernünftig -und nicht gewünscht spekulativ- interpretiert werden! Dies dürfte in neuerer Zeitrechnung insbesondere auch für die wirklichkeitsnahe Verkündung von sog. "Seuchen" und deren hygienischen Bekämpfungs-Maßnahmen gelten.
Der Anfangsetat von nur drei Millionen Euro hört sich aber eher bescheiden an, wenn man bedenkt, daß auf dem Riems bei Greifswald vor kurzem alleine 300 Millionen für ein paar abgeschirmte Labore und Tierställe verbaut wurden. Für ein neues Stadttheater in Rostock als kultur-gesundheitliche Einrichtung fehlen aber seit vielen Jahren 50 Millionen im Budget.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt (FTA für Hygiene und Mikrobiologie) aus Rostock  zum Beitrag »

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