Ärzte Zeitung online, 24.07.2017

Epidemie

Bis Jahresende rund 600.000 Cholera-Fälle im Jemen befürchtet

GENF/SANAA. Im Bürgerkriegsland Jemen wird sich die Cholera-Epidemie nach Einschätzung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) noch deutlich ausweiten. Bis Jahresende seien rund 600.000 Cholera-Kranke zu befürchten, erklärte IKRK-Präsident Peter Maurer am Wochenende. Er wollte sich bei einem mehrtägigen Aufenthalt im Jemen selbst ein Bild von der Lage machen. "Die große Tragödie ist, dass es sich um eine vermeidbare, von Menschen gemachte humanitäre Katastrophe handelt", so Maurer. Durch den Krieg seien die zivile Infrastruktur und das Gesundheitssystem in weiten Teilen zerstört worden. Auch Krankheiten wie Dengue-Fieber und Malaria könnten deshalb meist nicht mehr behandelt werden. Die Kriegsparteien müssten den Import von Medizin und Nahrungsmitteln erleichtern. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind in den vergangenen drei Monaten im Jemen rund 362.000 Menschen an Cholera erkrankt. Mehr als 1800 sind gestorben. Cholera wird von Bakterien verursacht, ruft starken Durchfall und Erbrechen hervor und ist besonders für Kinder, Alte und Kranke lebensbedrohlich. Im Jemen kämpft die vom sunnitischen Saudi-Arabien unterstützte Regierung gegen die schiitischen Huthi-Rebellen, die ihrerseits wohl Hilfe vom Iran erhalten.(dpa)

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[25.07.2017, 12:09:34]
Horst Grünwoldt 
Cholera
Zivilisatorisch ist es eine menschliche Schande, dass im 21. Jahrhundert immer noch Cholera-Opfer in so großer Zahl zu beklagen sind!
Auch im Jemen, -wie in jedem Dritteweltland-, müßten doch inzwischen Basis-Gesundheits-Dienste flächendeckend als sog. health-points oder Infermeries in landesweiter Verteilung vorhanden sein.
Und für die Behandlung Cholera-Kranker braucht es ja in der Ersten Hilfe nicht mehr als bakterien-gefiltertes Wasser, um die berühmte heilsame Kochsalz-Zucker-Trinklösung lokal herzustellen...
Dafür müßten doch die WHO und die reichen Länder der Weltgemeinschaft, eigentlich schon präventiv und relativ billig sorgen können.
Letztlich bleibt die Cholera-Prophylaxe seit unserem ruhmreichen Robert Koch immer eine infrastrukturelle Frage mangelnder Trinkwasser- und Abwasser-Hygiene!
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock  zum Beitrag »

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