Ärzte Zeitung online, 11.06.2018

Experten warnen

Unsichtbare Gefahr im Gartenpool

Pools im eigenen Garten werden immer beliebter - auch dank günstiger Angebote im Internet und Baumarkt. Doch der Badespaß kann Risiken bergen.

Unsichtbare Gefahr im Gartenpool

Badewasser muss mikrobiologisch fast Trinkwasserqualität haben – doch im heimischen Pool ist das nicht immer der Fall.

© tinadefortunata /stock.adobe.com

BERLIN. Die Sonne scheint, alle schwitzen: Wie schön wäre da eine Abkühlung, ein Pool im eigenen Garten! Was früher Luxus war, ist heute dank günstiger Angebote für viele Menschen erschwinglich. Aber der Badespaß zuhause birgt gesundheitliche Risiken, wie Experten schildern.

"Badewasser muss mikrobiologisch fast Trinkwasserqualität haben", sagt Dirk Bockmühl. Als Professor für Hygiene und Mikrobiologie an der Hochschule Rhein-Waal in Kleve und Autor des Buchs "Keim daheim" kennt er die Risiken privater Pools: Über die Umwelt und durch Menschen gerieten Bakterien auf natürlichem Weg ins Badewasser und könnten schnell zu einer Gefahr werden.

Dem Wasser sehe man das nicht unbedingt an, selbst scheinbar sauberes Wasser kann dem Experten zufolge belastet sein.

Blätter und Pipi als Nahrung für Keime

"Umweltkeime sind wirklich überall. In Pools können sie Rahmenbedingungen vorfinden, wo sie sich wohlfühlen", erklärt Bockmühl. Es geht etwa um Colibakterien, sogar Salmonellen wurden schon im Poolwasser nachgewiesen.

 

Auch Pseudomonaden, auch als Pfützenkeime bekannt, könnten in die heimischen Wasserbecken geraten. Gesundheitlich seien Pseudomonaden dann vor allem für Immungeschwächte bedrohlich.

Im Wasser dient Erregern organisches Material wie Blätter von Bäumen als Nahrung. Manche Bakterien wie Fäkalkeime könnten im Wasser besonders lang überleben, sagt Bockmühl.

Ein vielen bekannter Ekelfaktor im Wasser - Urin - ist ihm zufolge allerdings aus mikrobiologischer Sicht unbedenklich, da er bei Gesunden steril ist. Es diene den Bakterien aber ebenfalls als Nährstoff.

Regelmäßige Reinigung nötig

Problematisch werde es vor allem dann, wenn Pools sehr lange mit Wasser befüllt im Garten stehen, erläutert Bockmühl weiter. Hier könne eine hohe Keimdichte entstehen, die vor allem für Kinder, Schwangere, Senioren und immungeschwächten Menschen kritisch werden könne.

 

Ab einer gewissen Beckengröße sei es daher wichtig, Pools mit Filtern auszurüsten oder sogar mit Chlor zu behandeln. "Wer sich nicht um die Wasserqualität kümmere, riskiert krank zu werden", so Bockmühl.

Das bestätigt auch der Düsseldorfer Kinderarzt Hermann Josef Kahl, Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ): "Leute, die private Pools haben, müssen besonders darauf achten, dass sie sauber sind", betont er.

Denn sonst könnten Fäkalkeime zum Beispiel schnell Durchfall auslösen, wenn Wasser verschluckt werde. Und wer mit offenen Wunden baden gehe, riskiere Infektionen. Eltern unterschätzen seiner Meinung nach das Thema , oft aus Bequemlichkeit.

Ein Keim allein macht noch keine Infektion

Ob allerdings Erkrankungen von Patienten tatsächlich in direktem Zusammenhang mit dem Baden stünden, sei schwer zu erkennen, räumt Kahl ein.

 

Zudem spielten bei Infektionen stets mehrere Faktoren eine Rolle, ergänzt Bockmühl, etwa die Keimdosis, der Immunstatus der Badenden sowie der Infektionsweg. Die Anwesenheit eines Mikroorganismus allein reiche nicht zur Infektion.
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