Ärzte Zeitung online, 17.06.2019

Toskana

Ausbruch von Carbapenem-resistenten Enterobacterales

BERLIN. Die Europäische Seuchenbehörde ECDC hat ein Rapid Risk Assessment über einen Ausbruch von New Delhi Metallo-beta-Lactamase-(NDM-)produzierenden, Carbapenem-resistenten Enterobacterales in Italien veröffentlicht. Das berichtet das RKI im aktuellen Epidemiologischen Bulletin 24/2019.

Von 1. Januar 2018 bis zum 23. Mai 2019 seien 350 Fälle aus sieben Krankenhäusern gemeldet worden, darunter 50 Erkrankte mit Blutbahninfektionen. Bei 43 Patienten wurde das Bakterium aus dem Urin isoliert, bei 15 aus Proben der Atemwege und bei 242 aus dem Magen-Darm-Trakt (Besiedlung). Bekannte Risikofaktoren für eine Infektion oder Besiedlung sind unter anderem langfristige Krankenhausaufenthalte, chirurgische Behandlungen und intensivmedizinische Therapien, erinnert das RKI.

Die Ursache des Ausbruchs ist dem RKI zufolge unklar, wahrscheinlich wurden die Enterobacterales beim Kontakt zum örtlichen Gesundheitswesen übertragen. Da die Enterobacterales neben der Resistenz gegenüber Carbapenemen auch unempfindlich gegenüber einigen der neuen Beta-Lactam/Beta-Lactamase-Inhibitor-Kombinationen wie Ceftazidim-Avibactam und Meropenem-Vaborbactam sein können, sind die Therapieoptionen begrenzt.

Derartige Ausbrüche stellten ein Risiko für die grenzüberschreitende Übertragung und die Verbreitung in andere EU/EWR-Länder dar, das ECDC schätzt das Risiko für andere EU/EWR-Länder jedoch als moderat ein. Eine Verbreitung der Enterobacterales von dem aktuellen Ausbruch wird für Italien selbst aber als hoch angesehen.

Das ECDC empfiehlt Kliniken in den EU/EWR-Ländern für jeden Patienten bei Aufnahme ins Krankenhaus eine detaillierte Anamnese mit Reise- und Klinikaufenthalten zu erwägen. Sofern Patienten in den letzten zwölf Monaten vor der Aufnahme in Ländern mit bekannter hoher Prävalenz hospitalisiert waren, sollte eine präventive Isolierung und ein Screening auf Kolonisationen mit Carbapenem-resistenten Enterobacterales, einschließlich NDM- und KPC-produzierender Klebsiella pneumoniae, erwogen werden. Keine Hinweise gebe es auf einem Zusammenhang mit Häufungen in Deutschland. (eb/bae)

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